Zu müde zum Schlafengehen

Kennen Sie das? Man liegt am Abend vor dem Fernseher und schafft kaum, die Augen offen zu halten. Immer wieder meldet sich der Sekundenschlaf zu Wort, während man auf der Fernbedienung ein weiteres Mal durch alle Kanäle zappt. Es wäre so logisch, das Gerät abzudrehen und ins Bett zu gehen. Theoretisch. Denn Aufstehen ist ja mit Überwindung verbunden. Wenn dann auch noch kraftraubende Dinge wie Zähne putzen und Umziehen winken, döst man lieber doch noch eine Runde durch das Kabelfernsehen. Mit der Konsequenz, dass man gegen zwei Uhr morgens hochschreckt und mit müden Schritten – und dem Abdruck der Fernbedienung auf der Wange – doch ins Bett geht.

Beim Einschlafen könnte sich, wenn vorher das Konzert der Hellacopters (Flex, 20 Uhr) auf dem Programm gestanden ist, auch noch Freund Tinnitus und die Erinnerung an schwedischen Garagenrock mit ins Bett schleichen. Sollte für das Abendgebet nicht mehr ausreichend Energie vorhanden sein, war man hoffentlich vorher beim Konzert der Ministranten (Bamkraxler, Kahlenberger Straße 17, 20 Uhr). Alte Klassiker mit akustischer Gitarre vorgetragen sind zwar kein vollwertiger spiritueller Ersatz, aber immerhin lebt so die Erinnerung an die Schulmessen wieder auf. Endlich sanft entschlummert gesellt sich Morpheus hinzu und bringt vielleicht einen Vorgeschmack auf den musikalischen Höhepunkt der nächsten Woche mit. Kaizers Orchestra kommen in die Szene Wien (Mittwoch, 28.9., 20 Uhr). Halleluja!

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 21.09.2005)

Advertisements

Klein, praktisch und in der Stadt

Wer sich jemals am Wochenende durch das weitläufige Labyrinth eines Ikea-Marktes gequält hat, um am Ende doch nur sechs Weingläser und eine Packung Fleischbällchen zu kaufen, weiß, wie ermüdend lange Wege sein können. Warum für all die lebenswerten Kleinigkeiten aus der Stadt fahren, um Parkplätze streiten und an tausenden Schaumöbeln vorbei wandern? Was fehlt, ist ein Ikea-City Store für die kleinen Dinge jenseits von Billy und Ingo. Ein solcher Shop wäre klein, praktisch und auch noch mitten in der Stadt. Was braucht man mehr?

Nun, bei der Konzeption bin ich gerne behilflich. Vielleicht mit ein paar Ideen zur Gestaltung. Was die Größe angeht empfiehlt sich, im Antiquariat Buch & Wein (Schäffergasse 13a, 1040 Wien) vorbeizuschauen. Auf kleinstem Raum finden sich Bücherstapel und Weinregale liebevoll angeordnet. Und auch noch eine Bühne, auf der Norbert Müller aus seiner Satire „Feierabend“ (Residenz Verlag, 19,90 €) liest. Einige Anregungen lassen sich auch aus dem Hofmobiliendepot holen. Hier läuft die Ausstellung Möbeldesign der 50er, bei der unter anderem Exponate des Vereins „Soziale Wohnkultur“ oder der berühmte Stadthallen-Stuhl von Roland Rainer zu sehen sind. Was die Dekoration angeht, leihe ich auch gerne die aktuelle CD von The Ark (State of the Ark, Virgin) zur Inspiration her. Die schwedischen Glamrocker zaubern richtiggehend Lebensfreude durch die Gehörgänge (Live übrigens am 19. September in der Szene Wien). Also, liebe Ikea-Manager, kommen wir ins Geschäft?

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 12.09.2005)