Urlaub ist Arbeit, Arbeit ist Urlaub

Stellen Sie sich vor, Sie machen eine Woche lang Urlaub, liegen am Strand, trinken Ouzo und rauchen billige Zigaretten. Und in der Arbeit bemerkt niemand, dass Sie weg sind. Paradiesisch, oder? Nur, sobald einer Ihrer Kollegen bemerkt, dass keiner bemerkt, dass Sie nicht da sind, stellt sich die Frage, wozu Sie überhaupt da sind, wenn es ohnehin niemandem auffällt. Man ist auf dem besten Weg, Opfer der nächsten Einsparungswelle zu werden.

Um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, sollten Sie darauf achten, niemals weg zu sein, damit auch ja niemand auf die Idee kommt, dass es auch ohne Sie funktionieren könnte. Machen Sie sich unentbehrlich. Dummerweise macht man sich damit aber verdächtig. Sind die, die nie auf Urlaub gehen, nicht nur machtgeile Karrieristen, die sofort auf den nächsten prestigeträchtigen Posten spitzen, sobald der Kollege nicht da ist? Aus taktischen Gründen sollten Sie also ab und zu ein paar freie Tage einlegen. Während dieser Zeit empfiehlt sich allerdings dringend, bei Ihren Kollegen das Gefühl wachzuhalten, dass es ohne Sie einfach nicht geht. Schicken Sie regelmäßig Mails, rufen Sie an, seien Sie präsent, nerven Sie Ihre Kollegen. Zugegeben, der Urlaub wird so zu regelrechter Arbeit. Aber das ist es wert. So rufen Sie Ihren Kollegen immer ins Gedächtnis, wie wichtig Sie sind, damit das Werk richtig läuft. Und wenn Sie dann zurückkommen, können Sie sich wieder entspannt zurücklehnen. Die freien Tage sind vorbei, ich bin noch da. Ja, Arbeit ist fast wie Urlaub.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 07.08.2006)

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