Windschiefe Weckerln

Wer bei Bäckereiketten oder gar im Supermarkt sein Frühstück besorgt, kennt das Problem vermutlich: Die gefüllten Weckerln sind windschief bis zum geht nicht mehr. Nur auf einer Seite aufgeschnitten, dann lieblos eine halbe Tonne an Leberkäse, Eiern, Salatblättern und Paprika hineingepresst. Sobald man nun hineinbeißt, wird deutlich, was das Manko eines solchen windschiefen Weckerls ist – links purzeln Leberkäse, Eier, Salatblätter und Paprika hinaus, während die rechte Seite einfach nur ein Stück eines trockenen Weckerls bleibt.

Nun kann man als neoliberaler Kampffrühstücker einfach den Markt wirken lassen, derartige Weckerln nicht mehr kaufen und stattdessen daheim selbst die Semmel aufschneiden (so, dass Ober- und Unterseite vollständig voneinander getrennt sind) und mit Schinken, Käse und dergleichen befüllen. Oder aber man versucht es mit Consulting: Liebe Bäcker und Brötchenbefüller, bei aller Rationalisierungswut, bei allem Hang zu Schnelligkeit und Effizienz – schneidet die Weckerln ganz durch und befüllt sie mittig, so dass der Frühstücker beim Essen in der U-Bahn keine akrobatischen Verrenkungen durchführen muss, um herunterhängende Salatblätter oder in Mayonnaise ertränkte hartgekochte Eier zwischen die Zähne zu bekommen.

Und wenn wir schon dabei sind, warum werden eigentlich all diese Weckerln mit Mayonnaise ausgemalt, ehe sie mit einer halben Tonne an Leberkäse, Eiern, Salatblättern und Paprika gefüllt werden? Ich vermute dahinter ja ein bisschen Sadismus. Immerhin erschwert die dicke Fettcreme jeglichen Rettungsversuch herauspurzelnder Teile enorm. Ob da nicht sogar eine Verschwörung dahinter steckt? Ich muss mal mit Dan Brown sprechen, vielleicht wäre das ein interessanter Plot für einen neuen Da-Vinci-Code.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 20.10.2008)

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Nenn mich doch einfach Karina

Computer denken nicht, die machen nur, was man ihnen sagt. Folglich kann ich auch nicht dem armen Computer böse sein, der die Massensendungen an mich adressiert. An „Frau Erich Kocina“, zum Beispiel. Nun hätte ich ja vollstes Verständnis, wenn ich einen Namen hätte, der „beiden Geschlechtsteilen“ (Heinz-Christian Strache) zugerechnet werden könnte, etwa Andrea oder Sascha. Und auch bei exotischen Namen, die in Österreich nicht so geläufig sind, kann so eine Verwechslung schon einmal passieren.

Doch viel männlicher als Erich kann ein Name doch gar nicht sein, oder? Ein Name, der so viel bedeutet wie „reich an Ehre“. Man denke an Erik den Wikinger, der mit stolzgeschwellter Brust und langem Bart am Bug des Schiffs steht und seine Streitaxt schwingt. Hätte es zu Zeiten des bärtigen Normannen schon derart falsch adressierte Massensendungen gegeben, hätte er wohl von der Adressiermaschine nur noch ein wenig Asche hinterlassen.

Aber es geht noch schlimmer. Zu meiner Studentenzeit etwa, kurz nachdem das Gratisabo einer Tageszeitung ausgelaufen war, rief einer der freundlichen Call-Center-Mitarbeiter auf meinem Festnetz an und fragte schüchtern, ob er denn „Frau Erich“ sprechen könnte. Interessant, diese Variante kannte ich noch nicht. „Und wie soll Frau Erich mit Vornamen heißen?“ – „Karina“, erklang es schüchtern. Karina?

Dann dämmerte mir, wie ich vor der Uni schnell – bis zur Vorlesung waren noch zwei Minuten Zeit – das Aboformular ausfüllte. Nicht, dass ich sonst leserlicher schreiben würde, aber vermutlich ließ ich in der Hektik einem verzweifelten Mitarbeiter der Aboabteilung gar keine andere Wahl, als in Kocina eine Karina zu erkennen. Aber macht ja nichts, so eine neue Identität hat ja auch ihren Reiz. Liebe Grüße, Eure Karina.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 13.10.2008)

Kampf der Invers-Burka

Von Langstreckenflügen kennt man sie bestens. Doch auch in heimischen Schlafzimmern wurde sie bereits gesichtet – ich nenne sie Invers-Burka, schließlich verhüllt sie genau jene Teile des weiblichen Körpers, die bei streng gläubigen Musliminnen als einzige frei bleiben; andere sagen ganz einfach Schlafmaske dazu. Dass ein solches Teil quasi die Antithese von Romantik ist, muss nicht näher erläutert werden. Schließlich erwartet man beim liebevollen Blick auf die andere Seite des Bettes ja eher ein süß-verschlafenes Gesicht – und weniger die Hauptfigur aus einer Inszenierung vom „Phantom der Oper“. Man meint fast, bei jedem Blick die markante Tonfolge auf der Orgel zu hören. Wie soll man da ruhig schlafen?

Gerade in der weiblichen Sphäre nimmt das Spiel mit Masken allerdings eine tragende Rolle ein. Von weißer Creme, die sich unter dem zu einem Turban gefalteten Handtuch über die Gesichtshaut legt bis zu Gurkenscheiben, die das Haupt der Trägerin zu einer Reminiszenz aus der Welt der Salatbar macht. Mahlzeit.

Eine Lösung, mit Problemen wie diesen fertigzuwerden, liegt in der gemeinsamen Aufarbeitung. So wie es kürzlich die beiden Journalisten Gabriele Kuhn und Michael Hufnagl gemacht haben. In ihrem Buch „Paarspalterei“ (Molden Verlag) erzählen die beiden jeweils ihre Sicht eines Problems, vom Streiten (Sie: Konfrontation ist mein Aphrodisiakum. Er: Ihr Krach ist mir nur ein Schweigen wert) bis zum Schlafrhythmus, auf den sich das Paar bis heute nicht einigen kann. Das alles läuft zwar weitgehend auf Anekdoten à la „Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können“ hinaus, liest sich aber trotzdem recht unterhaltsam. Und falls es auf diese Weise nicht gelingt, zwischengeschlechtliche Probleme zu lösen? Dann fragen Sie doch einfach den Inder . . .

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 06.10.2008)