Komm, süße Bestattung

Manche Branche hat es ja eher schwer, für ihre Produkte oder Dienstleistungen zu werben. Nehmen wir, dem Feiertag entsprechend, einmal die Bestatter. Da hat etwa die Bestattung Wien ein paar nette Give Aways, die das Logo und die Corporate Identity des Unternehmens transportieren sollen – bei Dingen, die man üblicherweise weniger gern mit dem Sterben in Verbindung bringt: Eine dieser lustigen Metalldosen etwa, die mit scharfen Zuckerln gefüllt sind. Da kommt ganz zwangsläufig der Gedanke auf, dass man aus der Asche von Verstorbenen womöglich nicht nur, wie vergangene Woche berichtet, Diamanten machen kann. Und auch wenn der Trend zu dunkler Schokolade geht, eine Ritter Sport-Tafel mit schwarzer Banderole geht dann doch etwas zu weit. Komm, süßer Tod, oder wie? Da lässt sich am ehesten noch ein weiterer Klassiker der Werbegeschenke verstehen: das Feuerzeug. Dass selbst bei der kleinsten Einstellung eine massive Stichflamme aus dem Feuerspender schießt, soll da nicht irritieren – Feuerbestattung im Eigenbau?

Aber es geht noch besser: Die italienische Sargtischlerei Cofanifunebri (www.cofanifunebri.com) bringt etwa einen Kalender heraus, in dem sich leicht bekleidete Damen mit verklärtem Blick auf wurmresistenten Edelholz-Särgen räkeln. Der alte Kampf Eros vs. Thanatos, quasi. Nun, spätestens seit Six feet under (Staffel fünf auf DVD erhältlich) dürfte der Tod ein bisschen von seinem Schrecken verloren haben. Und das ist auch gut so. Schönen Feiertag!

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 31.10.2006)

 

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Tipps wider das Verdrängen

Allerheiligen bringt einen Kameraden ins Spiel, dem sonst so weit wie möglich ausgewichen wird. In Wien wird er liebevoll „Gevatter“ genannt – um ihm durch Personalisierung den Schrecken zu nehmen. Nur nicht darüber reden, lautet die Devise. Auch beim pflichtschuldig erfolgenden Friedhofsbesuch, bei dem der Gedanke an den Tod durch bunte Zuckerwatte schaumgebremst wird. Wie auch immer. Ich lasse Ihnen mit ein paar Tipps für den Feiertag einfach keine Gelegenheit zum Verdrängen.

Da wäre einmal ein Besuch am Zentralfriedhof. Nein, Sie brauchen nicht rein zu gehen. Da ist ohnehin viel zu viel los. Aber gegenüber dem II. Tor (Simmeringer Hauptstr. 349) gibt es ab 7 Uhr einen Flohmarkt. Danach empfiehlt sich ein Besuch im Concordia (Simmeringer Hauptstr. 283), wo man zum Kaffee ja in einem amüsanten Buch blättern könnte: „Man stirbt nur einmal“ (Seifert, 19,90 €) enthält Anekdoten des pensionierten Bestatters Julius Müller. Um 19 Uhr dann vielleicht ein Besuch in der Sargfabrik (Goldschlagstr. 169), wo Stimmakrobat Christian Rainer eine Leseperformance über Vergänglichkeit und Älterwerden gibt. Und schließlich noch ein Fernsehtipp: Es lebe der Zentralfriedhof, eine sehenswerte Universum-Dokumentation (20.15 Uhr, ORF 2) über das Tierleben auf Europas zweitgrößtem Friedhof.

Damit genug vom Tod für heute. Ich selbst halte es bei diesem Thema übrigens mit Woody Allen: „Ich habe keine Angst vor dem Sterben. Ich möchte bloß nicht dabeisein, wenn es passiert.“
(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 31.10.2005)