Mein Seitensprung mit George Clooney

„Wenn die Person, mit der du eine Affäre hast, ebenfalls verheiratet ist, dann sind die Verhältnisse klar, und es gibt weniger Missverständnisse.“ Sagt zumindest der Chef eines Internetportals, das Seitensprünge vermittelt. Und schreibt in seine dazugehörige Aussendung auch gleich eine Warnung: „Pass auf, Amal Alamuddin.“ Denn auf den Gatten besagter Dame hätten es ziemlich viele verheiratete Frauen, die man dazu befragte, abgesehen. Vermutlich kann sie jetzt nicht mehr ruhig schlafen, die Arme. Dabei wäre es doch ein Leichtes für sie, seine Treue ganz wissenschaftlich festzumachen. Britische Forscher haben nämlich herausgefunden (wenn ein Satz so beginnt, weiß man in der Regel, was davon zu halten ist…), dass sprunghafte Menschen an ihrer Fingerlänge erkannt werden können. Je länger der Ringfinger im Vergleich zum Zeigefinger ist, desto höher war die Konzentration des männlichen Geschlechtshormons Testosteron, dem man als Fötus im Mutterleib ausgesetzt war – und desto höher ist laut den Wissenschaftlern die Hinwendung zur Polygamie.

Sie dürfen sich jetzt übrigens ertappt fühlen, wenn Sie mit dem Lesen dieses Absatzes erst dann begonnen haben, nachdem Sie einen prüfenden Blick auf Ihre Hand geworfen haben. (Und, erwischt?) Genau das könnte Frau Alamuddin nun auch bei ihrem Gatten tun– vielleicht gibt es ja einen kurzen Moment, in dem sich seine Finger nicht gerade an eine Espressotasse klammern. Sollte sein Zeigefinger den Längenvergleich mit dem Ringfinger nicht erfolgreich bestehen, würde auch sein treuer Hundeblick nichts mehr helfen. Denn die Biologie lässt sich nicht überlisten, wie wir wissen – wer Augen hat zu sehen, der sehe. Und in diversen bunten Wochenblättern könnten wir schon bald von einem schmutzigen Scheidungskrieg lesen. („Du kannst die Kaffeemaschine behalten, aber die Stadt gehört mir!“)

Sollten Sie mit Hilfe dieses Tests den Filou in sich entdeckt haben, können Sie ja mal im Telefonbuch blättern. Herr Clooney dürfte dann ja wieder zu haben sein.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 09.02.2015)

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George Clooney und Kate Moss trinken meinen Kakao

Traumdeutung mag ihre Berechtigung haben. Vermutlich lassen sich aus Träumen tatsächlich heimliche Wünsche oder Bedürfnisse herauslesen, die man sich im Wachzustand nie eingestehen würde. Und gelegentlich kann man tatsächlich ein Erlebnis, eine Angst oder eine schlechte Schlafposition dem Erträumten zuordnen. Doch manch nächtliches Drehbuch hinterlässt den Aufgewachten am Ende in einem Zustand völliger Konfusion.

Zuletzt etwa bei folgender Situation: Ich nehme in der U-Bahn Platz – und erblicke mir gegenüber Kate Moss und George Clooney. Nicht, dass die beiden in meinem Leben irgendeine Bedeutung hätten, aber herzlich willkommen in meinem Traum! Die beiden begrüßen mich wie einen alten Bekannten, und dann, dann hebt George Clooney mit spitzen Fingern eine Espressotasse in die Höhe. (Gut, wie ich auf diese Idee komme, hat eine gewisse Logik.) Ich dagegen registriere in diesem Moment, dass ich eine bereits geöffnete Packung Kakao in der Hand halte. (Auch das lässt sich aus der Realität ableiten.) Doch was dann geschieht, verwirrt mich dann doch. Denn bereitwillig tausche ich mein Göttergetränk gegen Clooneys schwarze  Koffeein bombe und beobachte, wie das Model und der Kaffeeschnüffler sich über mein Lieblingsgetränk hermachen. Spätestens an diesem Punkt stoße ich an meine assoziativen Grenzen. Versteckt sich in meinem Unterbewusstsein eine libidinöse Zuneigung zu ehemaligen Topmodels? Oder trage ich Verlustängste in Hinblick auf grau melierte Schauspieler in mir?

Letztlich würde ich mir trotz allem wünschen, dass dieser Traum Realität wird. Schließlich ist man außerhalb der Traumwelt nicht nur Passagier seiner Gedanken, sondern kann das Geschehen aktiv steuern. Die Konsequenz wäre dann ein böser Blick, ein Anspannen der Muskel um mein Getränk und der Satz: „Sicher nicht, Clooney, kauf dir deinen eigenen Kakao!“

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 28.11.2011)

George Clooney mag keinen Kaffee

„Es geht mir wirklich schon auf die Nerven“, sagte George, als wir mit einer Dose Ottakringer in der Hand am Würstelstand lehnten, „seit diesem Werbespot habe ich nirgendwo mehr meine Ruhe.“ Wo immer er auch hinkomme, überall würden die Gastgeber sofort die Espressomaschine in der Küche anwerfen. „Dabei mag ich gar keinen Kaffee“, sagte er mit hörbarem Seufzen und nahm einen tiefen Schluck aus der Bierdose. All die anderen Dinge machen ihm ja nichts, behauptet er zumindest. Dass an sich vernünftige Frauen bei seinem Anblick wie Kinder infantil in die Hände zu klatschen beginnen, daran gewöhnt man sich. Dass Bilder von ihm auf Küchenwänden und Klotüren hängen, was soll’s. Aber irgendwo hat auch die Geduld eines Weltstars Grenzen.

„Wenn sie mir wenigstens einen türkischen Kaffee machen würden“, setzte er nach, „das hat noch Stil.“ Auch den Kaffee, den er bei seinen Besuchen in Darfur bekam, schätzte er sehr. Da konnte man noch die Bohnen spüren und nicht nur eine bunte Packung aus Aluminium durch die Finger gleiten lassen.

Während er die leere Dose in der linken Hand zerknitterte, orderte er bei Goran Nachschub: „Zwei Sechzehnerhülsen“, rief er und grinste über den einzigen deutschen Satz, der ihm fast akzentfrei über die Lippen ging. Als er den Verschluss einer Dose öffnete, ging sein Grinsen langsam in einen ernsten Gesichtsausdruck über: „Und dann machen sie auch noch ein Casting, wer mit mir Kaffee trinken darf.“ Introvertiertes Kopfschütteln, ein tiefer Schluck aus der Dose. „Erich“, sagte er und drehte sich mit ernster Miene in meine Richtung, „eigentlich . . .“, er stockte, „eigentlich trinke ich zum Frühstück am liebsten Kakao.“ Verständnisvoll legte ich meine Hand auf seine Schulter. „Kakao“, sagte ich, „was sonst.“

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 09.06.2008)