Pimp my Dictator

Verschmähte Liebe an sich ist ja schon recht unangenehm. Und zur Schmach der Abweisung kommt dann oft auch noch der Spott hinzu. Dass diese unheilbringende Kombination direkt zur Katastrophe führen kann, ist ja nicht erst seit dem Fall Woglinde, Wellgunde & Floßhilde vs. Alberich bekannt, der ja sogar den Untergang der Welt zur Folge hatte. Umso mehr schmerzt es, wenn der arme Kim Jong Il in den vergangenen Tagen derart ruppig behandelt wird. Denn warum, liebe Leser, glauben Sie, dass Nordkoreas Diktator plötzlich mit den Muskeln spielt? Es ist der Aufschrei einer verzweifelten Seele, der Schrei nach Liebe. Trey Parker und Matt Stone waren die ersten, die es erkannt haben: In ihrem Marionetten-Film „Team America“ schluchzt der arme Kerl seinen Weltschmerz in die Welt hinaus: „I’m so ronry!“

Und dann das: „Er sieht nicht nur seltsam aus, er ist es auch“, war etwa jüngst in den Medien zu lesen. Und dann auch noch ein Embargo. Völlig verkehrt! Diesem Mann muss man doch helfen. Vorbilder, wie das funktionieren kann, gibt es im TV ja genug. „Einsatz in vier Wänden“ etwa, wo ein gut gelauntes Team eine heruntergekommene Wohnung mit Ikea-Möbeln in neues Licht taucht, oder „Pimp my Ride“, wo heruntergekommene Autos mit Alufelgen und Co zum Straßenkreuzer ausgebaut werden. Also, schicken wir Alfons Haider nach Pjöngjang, verpassen Kim Jong Il ein paar H&M-Fetzen – und eine neue Frisur. Vielleicht haben ihn die Menschen dann wieder lieb. Und uns bleibt die atomare Götterdämmerung erspart.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 17.10.2006)

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