Urlaub ist überbewertet

Bei all der Vorfreude, die man dem Urlaub entgegenbringt, ist es geradezu logisch, dass der Erholungswert die Erwartungshaltung nie so ganz erreichen kann. Das gilt vor allem für jene, die von der Reise nicht nur Touristenkitsch und eine Stange Duty-Free-Zigaretten mitgenommen haben, sondern auch gleich eine Darminfektion oder dergleichen. Da macht es gar keinen Spaß mehr, die Verwandtschaft mit Urlaubsfotos zu langweilen. Vielmehr beginnt man als Urlaubsgeschädigter, sich an ein paar Klassiker zu erinnern, auf die man vielleicht hätte hören sollen – einige Lieder gegen den Urlaub:

1) Heinz Conrads – Das Lied vom Monte Glatzo: In dieser Hymne auf den Kahlenberg wurden wir ja schon gewarnt: „A Knackwurscht, die lass ich mir schmecken, ich brauch keine Krabben und Schnecken“, lautet eine Passage. Zugegeben, nicht sehr weltmännisch, aber erklären Sie das meinem Magen.

2) Pirron & Knapp – Camping: Was beim Reisen mit dem Zelt so alles passieren kann. Einiges davon ist auch auf Nicht-Camper umlegbar.

3) Rainhard Fendrich – Strada del Sole: Ohne Lire in Italien herumzustehen ist – nicht nur dank Euro-Einführung – gar nicht mehr so ein Problem. Aber versuchen Sie doch einmal, mit Ihrer Visa-Karte in Usbekistan Dollar abzuheben, dann wissen Sie, wie sich der arme Fendrich damals gefühlt haben muss.

Also, falls Sie den Urlaub noch vor sich haben, hören Sie sich diese Lieder vorher einmal an. Und – erwarten Sie sich einfach nicht zu viel Erholung.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 25.07.2007)

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Wenn man dem Passfoto ähnelt

Wenn man beginnt, seinem Passfoto ähnlich zu sehen, sollte man in den Urlaub fahren“, sagte Ephraim Kishon. Gute Idee, eigentlich. In der Schulzeit gab es ja noch eine klare Einteilung, wann der Urlaub zu beginnen hatte, nämlich anschließend an die Zeugnisverteilung. Im Arbeitsleben fällt diese euphorisch gefeierte oder eher deprimierende – je nach Leistung – Initialzündung für den Ferienbeginn weg. Und so braucht es eben andere Indikatoren, um zu rechtfertigen, dass man die Kollegen einfach für ein paar Tage oder Wochen im Stich lässt.

Wenn etwa der gemeinschaftliche Kühlschrank im Büro schon riecht wie der Tintenfisch, der damals in Kroatien an den Strand gespült wurde und langsam dahinrottete. Wenn Sie freiwillig in Erwägung ziehen, zu „Singen im Garten“ im Liebhartstaler Bockkeller (19 Uhr) zu gehen. Oder wenn ständig die Frage „Where is my Mind?“ – wie die gleichnamige DJ Line im 7stern (21 Uhr) – vor Ihrem geistigen Auge abläuft. Dann ist es soweit, dann sind Sie urlaubsreif. Nur, wie sagt man es den Kollegen? Nun, Sie können ihnen ja einfach zu verstehen geben, dass auch sie einmal die Chance bekommen sollten, so viel zu arbeiten, wie Sie es sonst tun. Oder Sie argumentieren, dass das von Ihnen gewählte Urlaubsland ohnehin keinerlei Erholungswert bietet und es den Mitarbeitern im klimatisierten Büro viel besser geht. Oder Sie zeigen deutlich auf, wie sehr Sie schon am Sand sind – einfach das Passfoto groß kopieren und über den Arbeitsplatz hängen. Wie auch immer, schöne Ferien.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 29.06.2007)

Urlaub ist Arbeit, Arbeit ist Urlaub

Stellen Sie sich vor, Sie machen eine Woche lang Urlaub, liegen am Strand, trinken Ouzo und rauchen billige Zigaretten. Und in der Arbeit bemerkt niemand, dass Sie weg sind. Paradiesisch, oder? Nur, sobald einer Ihrer Kollegen bemerkt, dass keiner bemerkt, dass Sie nicht da sind, stellt sich die Frage, wozu Sie überhaupt da sind, wenn es ohnehin niemandem auffällt. Man ist auf dem besten Weg, Opfer der nächsten Einsparungswelle zu werden.

Um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, sollten Sie darauf achten, niemals weg zu sein, damit auch ja niemand auf die Idee kommt, dass es auch ohne Sie funktionieren könnte. Machen Sie sich unentbehrlich. Dummerweise macht man sich damit aber verdächtig. Sind die, die nie auf Urlaub gehen, nicht nur machtgeile Karrieristen, die sofort auf den nächsten prestigeträchtigen Posten spitzen, sobald der Kollege nicht da ist? Aus taktischen Gründen sollten Sie also ab und zu ein paar freie Tage einlegen. Während dieser Zeit empfiehlt sich allerdings dringend, bei Ihren Kollegen das Gefühl wachzuhalten, dass es ohne Sie einfach nicht geht. Schicken Sie regelmäßig Mails, rufen Sie an, seien Sie präsent, nerven Sie Ihre Kollegen. Zugegeben, der Urlaub wird so zu regelrechter Arbeit. Aber das ist es wert. So rufen Sie Ihren Kollegen immer ins Gedächtnis, wie wichtig Sie sind, damit das Werk richtig läuft. Und wenn Sie dann zurückkommen, können Sie sich wieder entspannt zurücklehnen. Die freien Tage sind vorbei, ich bin noch da. Ja, Arbeit ist fast wie Urlaub.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 07.08.2006)