Selbstgesprächsbasis, die muss passen

Interessante Selbstgespräche setzen einen klugen Gesprächspartner voraus. Ist das der Fall, sollte die Wahl des Selbstgesprächsthemas kein großes Problem sein. Doch was tun, wenn die Selbstgesprächsbasis abhandenkommt? Das kann durchaus vorkommen, vor allem bei jenem Menschenschlag, der immer das letzte Wort haben will. Eines vorweg – gegen die Wand reden ist keine brauchbare Alternative. Vielmehr sollte man sich bemühen, das Selbstgesprächsklima wiederherzustellen.

Das beginnt schon damit, dass man tatsächlich sagt, was man denkt. Denn an  diesem Mangel an Selbstgesprächskultur scheitert es allzu oft. Selbstgespräche gelingen einfach besser, wenn man sich vorher ein wenig reinen Wein einschenkt. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass ein gutes Selbstgespräch ungefähr zur Hälfte aus Zuhören besteht – ein Faktum, das vor allem bei Telefonselbstgesprächen enorm wichtig ist.

Bei persönlichen Selbstgesprächen kann es auch hilfreich sein, die Atmosphäre ein wenig aufzulockern, etwa, indem man Getränke oder kleine Snacks serviert. Auch ein freundliches Lächeln und Blickkontakt trägt einiges zu einer guten Selbstgesprächsatmosphäre bei. Hilft das alles nichts, kann es sinnvoll sein, einen Selbstgesprächsmoderator zu engagieren, der die Selbstgesprächssteuerung übernimmt. Und schließlich sollte man auch berücksichtigen, was das Gegenüber hören will. Schimpfkanonaden, Beleidigungen und dergleichen gehören wohl eher nicht dazu – damit würgt man ein Selbstgespräch sehr schnell ab. Auch Moralpredigten sollte man tunlichst unterlassen. Und man sollte darauf achten, dass der Kreis der Selbstgesprächspartner nicht zu groß wird – denn je größer die Runde, desto eckiger die Selbstgespräche.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 06.09.2010)

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