Haben Sie jemals einen Baum pressen gesehen?

Von Melk an der Donau bis nach Kotzgraben: Auf der Suche nach Ortsnamen in Befehlsform.

Die bekanntesten Kalauer kennt man ja schon. Melk an der Donau, zum Beispiel, wurde schon ziemlich häufig als Ortsname mit Befehlsform verwendet. Hans Weigel hat mit seiner Imperativstapelei unter anderem auch Grein an der Donau, Schwa(t)z in Tirol, Gurgl im Ötztal und Reit‘ im Winkl zum Sprachspielen verwendet – konjugieren („Ich melk an der Donau, du melkst an der Donau . . .“) inklusive. Besonders schön ist es aber, wenn man bei einer Wanderung plötzlich zufällig in einem Ortsschild einen Befehl erkennt. Pressbaum, zum Beispiel. Und schon sitzt vor dem geistigen Auge eine alte Eiche, die mit zusammengekniffenen Augen und verzerrtem Mund alles gibt. Was einem erst bei einem Besuch im steirischen Kotzgraben (Gemeinde Bruck an der Mur) einfallen muss. Oder bei einer Fahrt durch das rheinland-pfälzische Haßloch (ja eh, neue Rechtschreibung ist das nicht). Bei Taufkirchen (davon gibt es mehrere) fragt man sich, ob man Kirchen überhaupt taufen muss. Und ob man Vöslau wirklich schroff zum Baden auffordern sollte? Stunden könnte man auch damit verbringen, einen Berg zu einer Tätigkeit aufzufordern. Spielberg, sagt man dann. Oder Wartberg! Allein, die Reaktion bleibt aus.

Gelegentlich wird ein Befehl ja im Infinitiv gegeben, um ihn besonders deutlich zu machen. Essen, zum Beispiel. Baden! Oder, falls Sie gerade in der Gegend sind, Laufen an der Salzach! Entledigt man sich komplett der korrekten Schreibweise und geht nur auf das Gehörte, gibt es noch ein paar Erfolgserlebnisse. Villach, zum Beispiel – gut, es holpert, aber man lacht danach schon viel. (Verstanden?) Auch in Graz kann man einen schlampigen Befehl entdecken – Sie kratzen sich ratlos am Kopf? Dann haben Sie den Befehl schon ausgeführt. Oje, ist Ihnen das alles zu blöd? Dann sollten Sie besser nicht hier bleiben. In diesem Sinne: Rennweg!

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 28.05.2018)

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Warum wird beim Tennis so komisch gezählt?

15, 30, 40 – ist halt so. Aber das hat einen Grund. Nur was hat Thomas Alva Edison damit zu tun?

Alva ist ein Vorname für beide Geschlechter. Der für Frauen ist im Schwedischen die weibliche Form von Alvar, zusammengesetzt aus dem althochdeutschen „alf“ (Elfe oder Naturgeist) und „heri“ (Kriegsschar). Heißen Männer so, leitet sich der Name vom hebräischen „Alvah“ ab, was etwa „seine Hoheit“ bedeutet. Falls Sie also auf der Suche nach einem Vornamen für den Nachwuchs sind, können Sie in jedem Fall zuschlagen. So wie einst die Eltern von Thomas Alva Edison (zumindest als Zweitname). Sie wissen schon, das ist der Unternehmer, dem die Erfindung der Glühbirne zugeschrieben wurde. (Er hat sie patentiert, erfunden haben sie andere.) Edison soll aber auch ein extrem schlechter Angler gewesen sein. Und, so die Legende, irgendwann fragte ihn ein Freund, ob er das Angeln nicht lieber aufgeben sollte. Edison soll geantwortet haben, dass er ohne Köder angelt, denn dann würden ihn weder die Fische noch die Menschen um ihn herum belästigen – und er könne nachdenken und reflektieren.
Nur manchmal hilft Nachdenken nicht – da muss man nachschlagen. Warum, zum Beispiel, werden die Punkte beim Tennis so komisch gezählt? Nun, eine Erklärung ist die, dass das auf Spielwetten im Frankreich des 14. Jahrhunderts zurückgeht. Da wurde eine Münze gesetzt, die einen Wert von 15 Denier (Pfennige) hatte. So kam es zu Einsätzen von 15, 30, 45 und 60. Angeblich aus Bequemlichkeit bei der Aussprache wurde 45 zu 40. Eine zweite Erklärung bezieht sich auf das mittelalterliche Jeu de Paume, ein Vorläuferspiel des Tennis. Dort bewegte man sich nach jedem gewonnenen Punkt näher zur Mitte des Feldes – von der 0-Zoll-Linie zu den Linien von 15, 30 und 45 Zoll. Da die 45-Zoll-Linie aber zu nahe am Netz war, wurde sie auf 40 Zoll zurückversetzt.
Jetzt ist uns also ein Licht aufgegangen, oder? Nur Thomas Alva Edison kann in diesem Fall nichts dafür.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 14.05.2018)

Würden Sie Ihre Kinder Tupu, Hupu & Lupu nennen?

Warum werden Namen in anderen Sprachen so anders ausgesprochen oder völlig verändert?

Das polyglotte Glaubensbekenntnis beinhaltet auch die Klausel, dass man sich bei anderssprachigen Gesprächspartnern anderssprachig vorstellt – nicht nur per Grußformel, sondern auch mit dem Namen. Da wird aus einem Georg schnell ein George, aus einer Susanne eine Susanne (die englisch ausgesprochen natürlich anders klingt, aber ich wollte jetzt nicht mit Lautschrift anfangen), und man selbst macht sich eben zum Eric (der in Israel Arik gerufen wurde). Was umgekehrt auch immer wieder vorkommt, dass man Namen aus anderen Sprachwelten falsch betont oder so falsch ausspricht, dass sich die Bezeichneten davon nicht angesprochen fühlen. Und nein, das passiert nicht nur bei gälischen Namen wie Saoirse (ausgesprochen etwa Sirscha), die zwischen Schreibweise und Aussprache einen besonders großen Unterschied aufweisen.

Immerhin, in der Regel lässt sich die internationale Aussprache eines Namens nachvollziehen. Auch wenn es für die eigenen Ohren komisch klingen mag. Bei literarischen Figuren wird es aber manchmal komplizierter. Nehmen wir etwa Troubadix, den Barden aus den „Asterix“-Heften. Der heißt im französischen Original nämlich Assurancetourix, was von Assurance tous risques kommt – also Vollkaskoversicherung bedeutet. In Großbritannien kennt man ihn als Cacofonix, in den USA als Malacoustix. Tick, Trick & Track, die drei Neffen von Donald Duck, heißen im Englischen Huey, Dewey and Louie. In Frankreich kennt man sie als Riri, Fifi et Loulou, in Italien als Qui, Quo & Qua, in den Niederlanden als Kwik, Kwek en Kwak. Und die Finnen sagen Tupu, Hupu ja Lupu zu ihnen. Im Grunde nicht so schlimm, weil die Namen in der jeweiligen Sprache so wohl einfach besser funktionieren. Aber manchmal kann es doch etwas befremdlich sein. Wussten Sie etwa, dass Batman in Schweden früher Läderlappen genannt wurde?

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 07.05.2018)