Uninformierte Uniformierte

Das Ende der Heerlichkeit ist nahe. Am Sonntag wird sich entschieden haben, ob die Präsensdiener in Zukunft der Vergangenheit angehören. Bis dahin bleibt noch ein wenig Zeit, um all die bisher uninformierten Uniformierten und Ununiformierten von den heeren Zielen der jeweiligen Parteien zu überzeugen. Brauchen wir weiter Grundwehrdiener vieler Herren oder dürfen die Offizierpflanzen künftig nur mehr an professionell ausgebildete und bezahlte Soldaten appellieren, zum Appell zu erscheinen? An wem sollen sich junge Rekruten ein Flaggenparadebeispiel nehmen? Wer wird künftig darüber lachen, wenn Zugsführer verbal entgleisen? Wird sich der Brauch halten, nach Dienstschluss noch auf einen Sprung in den Brigadiergarten zu gehen? Sollte es einen Heerespersonalabbau geben, muss dann hohen Offizieren eine Generalimente gezahlt werden? Und wie würde der Daraboss das seinen Untergebenen mitteilen? Fragen über Fragen, die uns noch ein paar Tage beschäftigen werden. So wie auch die jahreszeitenbedingte Frage, wie denn das mit einem Berufsheer wäre – würde dann der eine oder andere Wetterdienst (oder so manches Medium) bei Schneefall immer noch General Winter ausrücken lassen?

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 16.01.2013)

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Militärisches Sechs-Buchstaben-Wort

Über manche Dinge kann man erst nach einer gewissen Zeit sprechen – wenn man nachts nicht mehr schweißgebadet aufwacht. 15 Jahre sind mittlerweile vergangen – darum kann ich jetzt meine Zeit beim Bundesheer ein wenig Revue passieren lassen. Da war etwa jener Vizeleutnant (der einzige Dienstgrad mit Bauch, übrigens) im Kranken revier, der sich immer wieder für (extra bezahlte) Nachtdienste einteilte, um dort an seiner Modelleisenbahn zu basteln. Oder jener Wachtmeister, der seine Befehle derart nuschelte, dass ein Kamerad nach mehrmaligem Nachfragen die legendären Worte sprach: „Ich würd’s ja gerne machen – aber ich verstehe Sie nicht!“ Legendär auch der Offizier vom Tag, der mit roter Nase zum Morgenappell torkelte und den Chargen „Flagge einholen“ zubrüllte. (Zur Erklärung: Eingeholt wird die Fahne des Abends. Die Chargen mussten also den Befehl verweigern und hissten die Flagge.)

Erinnerungswert hat auch der militärische Jargon. „Militärisches Wort mit sechs Buchstaben“, war des Öfteren mit süffisantem Unterton zu hören – in Zivilsprache übersetzt hieß das „schade“. Nicht voll einsatzfähige Kameraden wurden von den Ausbildnern als „Innengichtler“ bezeichnet, Rekruten ohne Namensschild auf der Uniform als „Wehrmann Plüsch“. Denkwürdig auch die Frage des Korporals: „Schreibt man Gruppe mit einem oder zwei p“? Noch denkwürdiger die Antwort eines Wehrmanns: „Kommt darauf an, wie viele Leute in der Gruppe sind.“ Aber genug hingehaut auf die unteren Dienstgrade – bei der Angelobung auf dem Rathausplatz sprach der damalige Wiener Militärkommandant die Worte: „Danke allen, die diese Verlobung möglich gemacht haben!“

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 14.12.2009)