Stoppt die Obstüberfremdung

Während ganz Österreich diskutiert, ob das Heben von drei Fingern a) in Südtirol zum Grüßen üblich b) zum Bestellen von Bier sinnvoll oder c) einfach eine Jugendtorheit ist, kommt kein Mensch auf die Idee, über eine tatsächliche Gefahr für den Fortbestand des Landes nachzudenken: die Überfremdung durch ausländisches Obst. Während für Asylwerber aus Afrika die Grenzen längst dicht gemacht worden sind, schaffen es Südfrüchte ganz legal und ohne Probleme, bis in die Regale heimischer Supermärkte zu gelangen. Noch schlimmer, sie dringen sogar in unseren intimsten Lebensbereich vor. Nicht nur einmal wurden Banane, Ananas und Co in heimischen Küchen und Esszimmern angetroffen. Und wer leidet darunter? Der heimische Apfel, die ortsansässige Birne und die Wachauer Marille.

In Deutschland wurde aus diesem Grund sogar eine eigene Initiative ins Leben gerufen, die „Front deutscher Äpfel“ (www.apfelfront.de), die gegen die Überfremdung des deutschen Obstbestands zu Felde zieht. Mit Slogans wie „Grenzen dicht für Fallobst“ bedienen sie sich der Diktion der NPD und sorgten damit schon einige Male für Verstörung. Denn dass es sich um eine satirische Organisation handelt, war nicht allen gleich klar. Wie auch immer, für uns gilt jedenfalls, dass wir uns mehr um das heimische Obst kümmern sollten. Und sollten Fotos von Ihnen auftauchen, auf denen Sie gerade eine Kiwi löffeln, können Sie ja behaupten, dass das ein Lausbubenstreich war. . .  oder einfach nur eine dumme Provokation.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 29.01.2007)

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Muttersprachliche Interferenzen

Sprache kann manchmal auch ein bisschen weh tun. Dann etwa, wenn Sprachstrukturen der Muttersprache auf Fremdsprachen übertragen werden. Sie kennen das sicher, wenn etwa das englische „th“ durch das im Deutschen ein bisschen ähnlich klingende „s“ ersetzt und das „thing“ plötzlich zum „sing“ wird. Besonders komisch wird es dann, wenn bei Neo-Anglizismen die Auslautverhärtung angewandt wird – die gibt es im Englischen nämlich nicht. (Zur Erklärung: Weiche Konsonanten am Ende eines Wortes werden hart ausgesprochen, also Rad klingt zum Beispiel gleich wie Rat.) Resultat ist, dass dann etwa beim „perfekten Dinner“ auf Vox (jeden Montag um 19 Uhr) der Begriff Fingerfood mitunter plötzlich eine schlüpfrige Komponente in sich trägt.

Zur Verbesserung Ihrer Englischkenntnisse trägt diese Sendung also vermutlich eher nicht bei. Da bietet sich eher ein Besuch im International Theatre Vienna (9, Porzellang. 8; 19.30 Uhr) an, wo „An Inspector calls“ zu sehen ist. Aber was nützt die beste Aussprache, wenn man schlicht und einfach kein Wort versteht? Zu sehen etwa derzeit im Kinofilm Babel (www.babel-derfilm.de), in dem fehlende Sprachkenntnisse zum regelrechten Drama werden, aber auch im Web unter www.hiclip.de/view?video.php?viewkey=ec0a378394 003c96da59, wo Komiker Tom Greene einen spanischen Matrosen interviewt, der jede Frage brav grinsend mit „Yes“ quittiert. Nun, das hat sogar Hermann Leopoldi schon gewusst: Da wär’s halt gut, wenn man Englisch könnt‘.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 25.01.2007)

 

Kampf dem Klingelton

Im Ranking der unbeliebtesten Zeitgenossen hat eine Spezies längst die Pole Position: Der Klingeltonausprobierer. Nun ist der Klingelton an sich schon ein Ärgernis, egal ob „In der Halle des Bergkönigs“ aus Edvard Griegs Peer Gynt Suite oder Crazy Frog & Co. Doch solange er im höchstpersönlichen Bereich seinen Dienst versieht, soll es so sein. Doch was soll man von Menschen halten, die einen ganzen U-Bahn-Waggon in einen rollenden Klingeltonwerbespot verwandeln? Vielleicht sollten wir diesen akustischen Umweltverschmutzern ja einen Aufenthalt im Kloster Pernegg (www.klosterpernegg.at) schenken, wo sie unter dem Motto „Die Entdeckung der Stille“ ein paar Tage Einkehr halten können. Selbiger Urlaub sei auch allen Arbeitskollegen ans Herz gelegt, die vom Platz verschwinden, ihr Handy jedoch liegen lassen, das sich alle paar Minuten lautstark meldet.

Weniger radikal, aber durchaus effizient ist die Methode, Mobiltelefone auf Vibra Call umzustellen. Hier bemerkt lediglich der Angerufene, dass jemand seine Stimme hören möchte. Ein weiterer Vorteil: Man kann den Anrufer zappeln lassen oder ignorieren, ohne dass die Umgebung gleich vorwurfsvolle Blicke nach dem Nichtabheber schweifen lässt. Ideal in jenen Situationen, in denen man keine Hand frei hat oder Telefonieren unpassend ist. In „Beichtstühle im Spätbarock“ zum Beispiel, einer Veranstaltung am Institut für Kunstgeschichte (9, Garnisong. 13, 18.15 Uhr). Hier könnten Sie das ja selbst einmal testen – und in der U-Bahn dann bitte gleich beibehalten.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 17.01.2007)

Gut Ding braucht Langeweile

Wenn im Zusammenhang mit einer Spendenaktion für Opfer der Tsunami-Katastrophe von einer „Welle der Hilfsbereitschaft“ gesprochen wird, ist das eigentlich nicht wirklich lustig. Wenn allerdings vom eingefleischten Vegetarier die Rede ist oder vom militanten Pazifisten, dann hat das doch einen gewissen komödiantischen Aspekt. Denn im Grunde lieben wir ja das Verdrehte und Wirre – und davon möglichst gleich eine geballte Ladung. Eine solche, an der sich Feinspitze der Stilblüte erfreuen dürften, steht unter dem Titel „Der Wurm ist drin“ unter www.the-treehouse.org/vororterocker zum Download im Web. Hier werden Sprichwörter musikalisch durch den Fleischwolf gedreht, vom „Platzhirsch im Karpfenteich“ über das „dritte Rad am Steuer“ bis zum Klassiker „gut Ding braucht Langeweile“ – das alles eingepackt in netten Gitarrenrock und noch dazu kostenlos. Daumen hoch!

Wer sich lieber literarischen Stilblüten widmet, sollte sich den dritten Band von Bastian Sicks „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ zu Gemüte führen. Der Sprachpolizist liefert wie gewohnt skurrile Fehlleistungen der deutschen Sprache, unter anderem widmet er sich diesmal den Namen von Friseursalons – von „Kopfgärtner“ bis zu „My Hair Lady“. Mit GMBHaar (www.gmbhaar.at) hat es sogar ein Salon aus Wien in das Kompendium des sprachlich fragwürdigen Einfallsreichtums geschafft. Aber das wird die Betreiber vermutlich gar nicht stören, denn wer den Schaden hat, kommt bekanntlich selten allein. Oder so.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 09.01.2007)

Gott speichert die Königin

„Sie Dose!“ Vermutlich würden Sie etwas irritiert reagieren, würde Sie jemand auf diese Weise ansprechen. Dass es sich dabei um einen Werbeslogan für eine Kamera handeln könnte und im Original „You can“ lautet, ist da gar nicht so leicht zu eruieren. Vermutlich würden Sie sich auch wundern, wenn auf Ihrem Mobiltelefon der Slogan „Anschließende Leute“ (Connecting People) aufscheint. Oder können Sie sich vorstellen, dass die britische Königin zu einem Empfang in den „Kompensationsschinkenpalast“ (Buckingham Palace) bittet? Erraten, es geht um automatisierte Übersetzungen, wie sie im Internet häufig anzutreffen sind. Per Mail ohnehin weit verbreitet, gibt es nun auch ein gedrucktes Kompendium absurder Übersetzungskunst: „Gott speichert die Königin“ (Hoffmann & Campe, 7,20 €) – richtig erkannt, die britische Nationalhymne – von Ute Brammertz vereint Stilblüten aus Musik, Film und Sprichwörtern in einem Buch, das sich hervorragend zur schnellen Lektüre zwischendurch, etwa am Abort, eignet.

Man glaubt gar nicht, welch kreative Energie man aus Filmtiteln wie „Das Felsige Grausigkeit-Abbildung Erscheinen“ (The Rocky Horror Picture Show) beziehen kann. Und selbst vor Shakespeare kapitulieren Übersetzungsmaschinen: „Der erste Teil von King Henry dem Viertel“, noch Fragen? Aber Vorsicht, lassen Sie solche Blödheiten nicht zu stark in Ihre Alltagssprache einfließen. Man glaubt gar nicht, wie schnell man sich das angewöhnt. Gut, das war’s für heute, thank you very many.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 02.01.2007)