George Clooney mag keinen Kaffee

„Es geht mir wirklich schon auf die Nerven“, sagte George, als wir mit einer Dose Ottakringer in der Hand am Würstelstand lehnten, „seit diesem Werbespot habe ich nirgendwo mehr meine Ruhe.“ Wo immer er auch hinkomme, überall würden die Gastgeber sofort die Espressomaschine in der Küche anwerfen. „Dabei mag ich gar keinen Kaffee“, sagte er mit hörbarem Seufzen und nahm einen tiefen Schluck aus der Bierdose. All die anderen Dinge machen ihm ja nichts, behauptet er zumindest. Dass an sich vernünftige Frauen bei seinem Anblick wie Kinder infantil in die Hände zu klatschen beginnen, daran gewöhnt man sich. Dass Bilder von ihm auf Küchenwänden und Klotüren hängen, was soll’s. Aber irgendwo hat auch die Geduld eines Weltstars Grenzen.

„Wenn sie mir wenigstens einen türkischen Kaffee machen würden“, setzte er nach, „das hat noch Stil.“ Auch den Kaffee, den er bei seinen Besuchen in Darfur bekam, schätzte er sehr. Da konnte man noch die Bohnen spüren und nicht nur eine bunte Packung aus Aluminium durch die Finger gleiten lassen.

Während er die leere Dose in der linken Hand zerknitterte, orderte er bei Goran Nachschub: „Zwei Sechzehnerhülsen“, rief er und grinste über den einzigen deutschen Satz, der ihm fast akzentfrei über die Lippen ging. Als er den Verschluss einer Dose öffnete, ging sein Grinsen langsam in einen ernsten Gesichtsausdruck über: „Und dann machen sie auch noch ein Casting, wer mit mir Kaffee trinken darf.“ Introvertiertes Kopfschütteln, ein tiefer Schluck aus der Dose. „Erich“, sagte er und drehte sich mit ernster Miene in meine Richtung, „eigentlich . . .“, er stockte, „eigentlich trinke ich zum Frühstück am liebsten Kakao.“ Verständnisvoll legte ich meine Hand auf seine Schulter. „Kakao“, sagte ich, „was sonst.“

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 09.06.2008)

Advertisements

Rettet den Kakao vor dem Kaffee

Gemeinhin haftet dem Kakao der Nimbus an, ein Getränk für Kinder zu sein. Zwar hat sich die Akzeptanz in den vergangenen Jahren gebessert und in Delikatessengeschäften finden sich auch schon Kakaospezialitäten jenseits von Benco & Co. Doch im Alltag ist immer noch die Rede davon, gemeinsam auf einen Kaffee zu gehen. Umgekehrt würde wohl niemand den Vorschlag machen: „Hallo, darf ich dich auf einen Kakao einladen?“ Schade, eigentlich. Das hätte auf jeden Fall mehr Pepp. Oder glauben Sie im Ernst, dass man im Zeitalter der Nespresso-Monokultur noch irgendjemanden mit Kaffee beeindrucken kann? Beim Zubereiten von Kakao ließe sich dagegen durchaus noch ein bisschen Individualität beweisen, die bei den Kaffeetrinkern von heute ja nur noch in der passenden Farbe der Espressokapsel nach außen präsentiert wird. Gratuliere.

Mit Kakao lassen sich übrigens vor allem Kollegen, die westlich von St. Pölten sozialisiert wurden, leicht auf die Kakaopalme (naja) treiben. Dann nämlich, wenn das Getränk als „Gaugau“ ausgesprochen wird. Man glaubt gar nicht, wie gereizt Oberösterreicher, Salzburger & Co auf die weiche Aussprache reagieren. Dabei passt sie genau zur cremigen Konsistenz, die richtig zubereiteter Kakao eben einmal hat. Aber selbst Kakao aus dem Automaten lernt man zu schätzen, nachdem das Aufkochen der Milch in der Arbeit doch etwas aufwendig wäre. Fällt jener Automat allerdings der zunehmenden Nespressierung der Welt zum Opfer, fühlt man sich ein wenig durch den Kakao gezogen.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 18.12.2007)

Kampf dem Milchschaumterror

Hat die Masse einmal etwas für richtig befunden, entkommt man dem nicht mehr, ob man nun will oder nicht. Dass etwa gegen Mitte des Sommers halb Wien mit diesen unsäglichen bunten Crocs-Sandalen unterwegs sein wird, erfordert kaum mehr prophetische Kenntnisse. Gut, in der Mode bleibt zumindest noch die Flucht in die Nische, doch in anderen Bereichen sterben die Alternativen dahin. Bestes Beispiel ist der Kaffee: Seit selbst in jeder Wohnung eine Espresso-Maschine steht, gilt das mit Druck durch das Kaffeemehl gejagte Heißgetränk als das Maß aller Dinge. Mit der Folge, dass es mittlerweile fast schon eine Unmöglichkeit ist, zum Frühstück einen konventionellen Filterkaffee zu bekommen. Ganz genau, nicht jeder mag das Hochdruckgesöff mit der ach so hippen Crema drauf.

Damit noch nicht genug, mittlerweile wird auf Kaffee immer häufiger und ungefragt Milchschaum gejagt. Auch den mag nicht jeder. Und nur, weil der Massengeschmack die Eiweiß-Fett-Luftblasenmischung für gut erachtet, steht der Gast einem regelrechten Milchschaumterror gegenüber. Muss man der Bestellung jetzt schon explizit „ohne Milchschaum, bitte“ hinzufügen? Informieren Sie sich doch über den aktuellen Stand bei der Führung „Ins Kaffeehaus! Vom Hawelka zum Demel“ (14 Uhr; Treffpunkt Tourismusinformation, Albertinaplatz). Danach bietet sich ein Besuch im Kent (Brunneng. 67, 1160 Wien) an, wo Sie auf einen türkischen Kaffee gehen können – mit Bodensatz, dafür garantiert ohne Milchschaum.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 30.05.2007)