Verbietet Sex mit Außerirdischen!

Wir können uns dem Thema nicht nur nicht verschließen, sondern müssen es aktiv angehen. Sex mit Aliens muss endlich verboten werden! Vor allem im öffentlichen Raum. Das hat zum einen menschenrechtliche Aspekte, zum anderen darf man den Sicherheitsaspekt nicht vergessen. Dieses Verbot soll nicht nur öffentliche Gebäude wie Gerichte oder Amtshäuser betreffen, sondern auch Spitäler, Banken, Geschäfte, die öffentlichen Verkehrsmittel oder das Lenken eines eigenen Fahrzeugs. Sex mit einem Alien ist ja schließlich auch eine Sichteinschränkung. Es kann jedenfalls nicht angehen, dass Autofahrer beim öffentlichen Verkehr mit Aliens nicht erkannt werden.

Auch den alienrechtlichen Aspekt darf man in dieser Frage, die ich lange reflektiert habe, nicht vergessen. Wenn ich diese Aliens sehe, dann denke ich mir: Das sind Menschen zweiter Klasse. Dabei geht es um ein Verbot von Sex mit Aliens, nicht um ein Verbot von Petting. Da sollte man nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Man muss jedoch Regelungen des Zusammenlebens im öffentlichen Raum schaffen, die gewährleisten, dass man einander ins Gesicht sehen kann. Es hinterlässt ein mulmiges Gefühl, wenn ich mich fragen muss: Wer steckt hinter dem Sex mit dem Alien. Etwaige Sanktionen muss man sich überlegen und dabei auch auf interna tionale Beispiele zurückgreifen. Es geht aber nicht darum, dass wir Sexpolizei sein wollen.

Und kommen Sie mir jetzt ja nicht damit, dass Sie noch niemals jemanden beim Sex mit einem Außer irdischen gesehen haben! Das ist doch alles eine Frage der Prävention. Und Sie können mir glauben, ich weiß, worum’s geht. Nur Frauthentizität, die habe ich leider nicht. Hat das jetzt irgendjemand verstanden?

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 26.04.2010)

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Kampf den sozusagen-Sagern

Heute begeben wir uns wieder einmal auf den Misthaufen unnötiger Füllwörter. Dort kramen wir ein wenig in einem besonders großen Stapel Unsäglichkeiten wie „irgendwie“ und „eigentlich“ herum, um schließlich zu einem der größten Verschmutzer der deutschen Sprache zu gelangen. Aufgebläht und scheinbar notwendig mäandert es sich durch unzählige Reden und Sätze. Doch innen drin findet sich doch nicht mehr als gähnende Leere, maximal heiße Luft – das „sozusagen“, das gedankenlos in Sätze eingebaut wird, wo es so überhaupt nichts zu suchen hat. Ursprünglich dafür gedacht, um eine vorsichtige, distanzierte Einstellung des Sprechers auszudrücken, mit der er seine Aussage relativiert, hat sich das Adverb zunehmend verselbstständigt und zum allseits einsetzbaren und doch nie passenden Blähwort gewandelt.

„Wenn man es so ausdrücken will“ als Langfassung, die als Begleitung eines metaphorischen Ausdrucks dem Zuhörer ein Eingeständnis liefert, dass das damit gemeinte Objekt nicht korrekt oder ausreichend beschrieben wird, hat ja grundsätzlich eine Berechtigung. Doch allzu oft wird das „sozusagen“ lediglich anstelle eines den Redefluss unterbrechenden „äh“ eingesetzt – als Kennzeichen einer Phase, in der ein neuer Gedanke in das Sprachzentrums des Gehirns nachgeladen werden muss. Einmal darauf sensibilisiert, bemerkt man erst, wie sehr diese neun Buchstaben schon unsere Ausdrucksfähigkeit unterwandert haben. Kaum ein Satz, der in seiner Komplexität über „ich habe Hunger“ oder „ich muss aufs Klo“ hinausgeht, scheint mehr ohne ein zwischengeschaltetes „sozusagen“ auszukommen.

Traurig, aber wahr: Es scheint fast so, als hätten heute die sozusagen-Sager schon das Sagen – sozusagen.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 19.04.2010)

Differenzieren Sie bitte ein Pfluftl

Kennen Sie das erwartungsvolle Gesicht, das jemand aufsetzt, nachdem er einen Witz erzählt hat? Und das peinliche Gefühl der Beklemmung auf der anderen Seite, weil man den Witz so ganz und gar nicht lustig findet? Gut, dann stellen Sie sich genau darauf ein, während ich erzähle, wie ich zuletzt in diese Situation gekommen bin. Es fing ganz harmlos in einem Café in der Siebensterngasse an: Treffen sich eine Funktion und ein Differenzialoperator im Hyperraum. Sagt der Differenzialoperator: „Haha, ich differenzier dich weg!“ Sagt die Funktion: „Haha, ich bin e hoch x!“ Lacht der Differenzialoperator: „Haha, aber ich bin d nach d y!“

Mein Gegenüber, eine  begeisterte Mathematikerin, setzte genau das oben beschriebene Gesicht auf, während meine Ganglien zwischen der Entscheidung zu höflichem Lächeln oder ahnungslosem Schulterzucken oszillierten. Wie auch immer, ich ließ mir den unter Mathematikern angeblich sehr beliebten Witz erklären – der klassische Todesstoß jeglicher Komik. „Also, differenziert man e (die Euler’sche Zahl, übrigens eine irrationale und sogar transzendente reelle Zahl) hoch x, kommt wieder e hoch x heraus. Allerdings nur dann, wenn man auch nach x differen ziert – tut man das nach y, verschwindet die Funktion. Ist das nicht total lustig?“ Ach so, ja, sehr lustig.

Aber meine Rache dafür sollte furchtbar sein. Denn man muss kein Mathematiker sein, um schlechte Witze zu erzählen. „Weißt du“, fragte ich, „warum die Pferdln Pferdln heißen?“ Nein, keine Ahnung. „Na, weil sie auf der Erde leben. Würden sie in der Luft  leben, wären sie ja Pfluftln!“ Und nun stellen Sie sich bitte mein erwartungsvolles Gesicht vor. Denn, seien wir uns ehrlich, der ist doch um Welten besser.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 12.04.2010)