Lachen über Hitler

In den vergangenen Tagen fand sich in zahlreichen Mailboxen ein von Freunden und Kollegen eifrig weiter verbreiteter Link wieder. Unter der Adresse www.youtube.com/watch?v=Pq4gQPReH2E ist ein Video mit einem Comic-Hitler zu sehen, der in den letzten Kriegstagen trotzig im Bunker singt, dass er niemals kapitulieren wird. Dabei sitzt er nackt am Klo oder mit Hund Blondie in der Badewanne, während ein Chor aus Hitler-Badeenten „Adolf, du alte Nazisau!“ trällert. Das Video ist ein Promotionclip zu Walter Moers‘ jüngst erschienenem dritten „Adolf“-Comicbuch „Der Bonker“. Während der erste Teil 1998 für heftige Diskussionen sorgte („Vermenschlichung“), scheint mittlerweile Konsens zu herrschen, dass auch der Unmensch ein Mensch war. Ein Mensch, der durch die Darstellung seiner Schwächen nicht verharmlost wird und über den gelacht werden kann.

Und wenn wir gerade beim Lachen über Hitler sind, noch ein paar Empfehlungen in diese Richtung. Der Klassiker schlechthin ist natürlich Charlie Chaplin’s „Der große Diktator“ aus dem Jahr 1940. Absolut sehenswert ist auch „Sein oder Nichtsein“ von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1942. Das Remake von Mel Brooks aus dem Jahr 1983 erschöpft sich dagegen in Blödelei und Klamauk. Und was bringt die Zukunft? Im Jänner 2007 kommt „Mein Führer – die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ in die Kinos – mit Helge Schneider in der Titelrolle. Nicht lustig? Nun, da halte ich es mit Charlie Chaplin: „Es ist gesund zu lachen, auch über die dunkelsten Dinge des Lebens.“

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 03.08.2006)

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