Kampf den Köstlichkeiten

Warum wird eigentlich alles als Spezialität bezeichnet, auch wenn es sich dabei nur um etwas ganz gewöhnliches handelt? Nehmen wir einen Imbissstand, der sich damit rühmt, türkische Spezialitäten anzubieten. Na ja, Kebab gibt es mittlerweile längst an jeder Ecke, so wirklich speziell ist das schon lange nicht mehr. Oder nehmen wir den sogenannten Spezialtoast, wie er in zahlreichen Gasthäusern angepriesen wird: Was ist denn bitte an zwei getoasteten Weißbrotscheiben mit Schinken und Käse so spektakulär, dass in der Speisekarte sogleich der Adelsschlag zur Spezialität erfolgen muss? Wenn absolute Standardware derartig angepriesen wird, was wird dann aus wirklichen Spezialitäten? Umgekehrt gefragt: Wenn das schon speziell sein soll, wie muss dann erst die Normalware aussehen? Trockenes Brot?

Skeptisch reagieren sollte man übrigens auch auf Einladungen zu Veranstaltungen, bei denen das kulinarische Programm unter „Köstlichkeiten“ firmiert. Viel platter lässt sich Essen – von mir aus auch appetitlich zubereitet und qualitativ hochwertig – kaum mehr beschreiben. Warum ringen sich Veranstalter und PR-Texter nicht dazu durch, einfach zu schreiben, dass es ein Buffet mit Speisen aus diesem und jenem Land gibt. Ob es wirklich köstlich ist, werden wir dann schon bemerken, so oder so. Aber so werden sich wohl weiterhin „Prominente aus Politik, Wirtschaft und Kultur“ die von „orientalischen Schönheiten“ servierten „Schmankerln“ irgendwo am medialen Platitüdenfriedhof schmecken lassen.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 21.08.2006)

Advertisements