Lieber Liebe als Kürbisse

Ich hasse Kürbisse. (Richtig, das ist Teil unseres Dirty Campaigning gegen Hokkaido, Türken-Turban, Bischofsmütze & Co). Ja ja, ein oder zwei Mal Kürbiscremesuppe oder Öl über den Salat, das ist schon ok. Aber alles, was darüber hinausgeht, ist der reinste Overkill. Mit Schaudern denke ich schon an die tausenden und abertausenden Zierkürbisse, die mir in den nächsten Wochen aus jedem Vorgarten und von Fensterbrettern entgegengrinsen. An zur Schau gestellter Spießbürgerlichkeit lassen sich diese gelben und orangen Monster ja nur mehr von Gartenzwergen übertreffen. Wer, bitte schön, konnte zulassen, dass sich diese herbstliche Plage derart über das gesamte Land verbreitet?

Denn abgesehen davon ist der beginnende Herbst ja etwas Schönes. Nach dem Sommer mit Party, Strand und vielen oberflächlichen Bekanntschaften hält das Gefühlsleben langsam wieder Einzug. Die Bereitschaft, sich zu verlieben, steigt ja bekanntlich indirekt proportional zu den Außentemperaturen. Und beim Konzert der britischen Softpopper „The Feeling“ heute Abend (20 Uhr) im Flex, ließen sich die in den letzten Wochen auf Minimalbetrieb geschalteten Gefühle wieder einmal gut reanimieren. Als weitere Starthilfe sollte Jane Birkins „Harvest Moon“ in den MP3-Player wandern und die „Element of Crime“-Kollektion wieder entstaubt werden. Und dann steht einem Frühherbstabend zu zweit vor dem Fernseher, eingewickelt in eine dünne Wolldecke, nichts mehr im Wege. Wer braucht da noch einen Kürbis?

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 18.09.2006)

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Fwd: V1agr@ – Enlarge your Penis

Fehler können passieren, lieber Herr Westenthaler. Ist ja schon öfter vorgekommen, dass man Briefen ein bisschen zu viel Glauben geschenkt hat. Sie wissen schon, diese persönlich adressierten Gewinnverständigungen „Sie haben 5000 Euro gewonnen! Ganz ehrlich!“ – und dann sitzt man plötzlich mit zwei Heizdecken daheim. Aber auch im Internet soll es das eine oder andere Mal vorkommen, dass Mails gar nicht so ernst gemeint sind, wie sie nach dem ersten hoffnungsfrohen Blick scheinen. Solche – meist auch noch kryptisch geschriebenen – Botschaften über sensationelle Finanzierungsmethoden oder Pillen zur Penisvergrößerung sollten ungesehen in den Junk-Mail-Ordner wandern. Was das ist und wie Sie einen solchen einrichten, erfahren Sie beim Kurs „Outlook“ der VHS Liesing (5.10., 18 Uhr. 144 Euro). Zusätzlich bietet sich für die BZÖ-Belegschaft auch der Kurs „Sicherheit im Internet“ der VHS Donaustadt (10.11., 18 Uhr. 38 Euro) an. Spätestens danach fallen Sie auch auf Betreffzeilen wie „H@lbmond statt G1pfelkreuz“ nicht mehr herein.

Sie sehen schon, die Volkshochschulen haben interessante Dinge im Angebot, die den Wissensstand erhöhen und die Lebensqualität verbessern. Informieren Sie sich doch am VHS-Bildungstelefon unter [*] 01 / 893 00 83, was Sie noch so alles machen könnten, sollte es für Sie am 1. Oktober nicht nach Wunsch laufen. Und, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, ein Tipp: „Haargenau 1 – Die perfekte Frisur“ (28.9., 17 Uhr. 53 Euro) beim VHS Polycollege.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 12.09.2006)

Wir sind für sich, weil ich dich mich

Man muss in letzter Zeit ja fürchterlich vorsichtig sein. Sobald man einen kongenialen Slo gan entdeckt hat, kommen schon die Spötter und – noch schlimmer – die Konkurrenten. Und der eben noch gefeierte Spruch wird plötzlich per einstweiliger Verfügung ins Wahlkampf-Nirvana verbannt. Nun kann man dagegen mit zwei Strategien arbeiten: Man erfindet einen griffigen Slogan, durch den sich eine andere Partei angegriffen fühlt, lässt sich die Verwendung verbieten und ist dadurch mindestens eine Woche lang Tagesgespräch. Oder man greift auf derart sinnentleerte Sprüche zurück, dass erst gar niemand auf die Idee kommt, sich daran zu stoßen. „Schönes Wetter heute“, zum Beispiel, oder „Hier geht’s uns gut“. Sehr beliebt ist auch die Reflexivpronomenschlacht à la „Wir für Euch“, vielleicht kombiniert mit ein bisschen Heldenmythos („Sie sind gegen ihn, weil er für Euch ist“). Verwirrend, oder? Wie war das nochmal, wir sind für sich, weil ich dich mich?

Sind wir uns ehrlich, viel mehr Spaß als die derzeitige Debatte um die Wahlplakate kann die „Lange Nacht des Kabaretts“ (Kabarett Niedermair, Lenaug. 1a; 19.30) auch nicht machen. Schade wäre, wenn Westenthaler und Strache heute Abend im Bamkraxler (19, Kahlenberger Str. 17; 18.30 Uhr) auftauchen würden – beim Workshop „Feng Shui – Die Kunst in Harmonie zu leben“. Da gieße ich lieber noch ein bisschen Öl ins Feuer: H.C. Straches Mundwinkel wurden auf den Plakaten künstlich nach oben gezogen! Ha! Und jetzt warte ich auf eine einstweilige Verfügung.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 05.09.2006)