Ich mag Ausländer ja nicht, aber . . .

Es ist ein absolut unausrottbares stereotypisches Verhalten: Unmittelbar vor jeglicher Attacke auf sogenannte Menschen mit Migrationshintergrund wird ein „Ich habe ja wirklich nichts gegen Ausländer, aber . . .“ vorangestellt. Nun ist es ja lobenswert, nichts gegen Menschen anderer Herkunft oder Ethnie zu haben, doch steht das auf dieses Bekenntnis folgende weinerliche Geseier oder gar aggressive Geschimpfe dem dann doch eher diametral entgegen. Drehen wir lieber den Spieß um. Sagen wir im vollen Brustton der Überzeugung, dass wir Ausländer ja in Wirklichkeit ganz furchtbar finden. So wird erstens der xenophobe Reflex in uns bedient und wir können zweitens dazu übergehen, die Bereicherung unseres Lebens durch fremde Einflüsse lobend zu erwähnen. Ein Beispiel? „Also, ich mag Ausländer ja wirklich nicht, aber das Best Of-Album der Wiener Tschuschenkapelle macht wirklich gute Laune.“

Ist es allerdings sinnvoll, diesen Mechanismus direkt in freier Wildbahn auszutesten? Ob die Bestellung „Ich halte ja Asiaten für minderwertig, aber ich hätte gerne einmal die pikant-säuerliche Suppe und Ihre köstlichen Acht Schätze – mit Stäbchen, bitte“ das freundliche Lächeln des Kellners beim Chinesen Ihrer Wahl nachhaltig aus dem Gesicht verschwinden lässt, müssen Sie dann schon selbst herausfinden. Falls Sie vorhaben, eine derartige Meldung anzubringen, empfiehlt es sich in jedem Fall, einen Bodyguard mit ins Lokal zu nehmen. Obwohl, das könnte wieder ganz andere Probleme mit sich bringen . . .

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 09.10.2006)

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Über Erich Kocina
Erich Kocina, Redakteur der Tageszeitung "Die Presse"

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