Das Monster unter meinem Bett

Wenn über Stellungen im Bett geredet wird, muss dem nicht immer eine sexuelle Konnotation anhaften. Das Gespräch kann genauso gut davon handeln, wie man sich am besten bettet, um vor den Monstern in Sicherheit zu sein. Natürlich weiß man, dass diese Wesen nur irrationale Projektionen einer lebhaften Fantasie sind, doch für den Fall, dass die Ratio doch irrt, sollte man zumindest einen Plan haben. Dabei lassen sich grob zwei Gruppen unterscheiden: Die einen betten sich möglichst nahe an die Wand, um in der Dunkelheit zumindest von dieser Seite den Rücken frei zu haben. Die anderen schlafen fast direkt an der Bettkante, weil die Monster ja bekanntlich aus der Wand selbst nach ihrer Beute greifen. Als Kind bin ich übrigens ein paar Mal aus dem Bett gefallen – jetzt erraten Sie mal, von welcher Seite ich die Gefahr erwarte.

Am schlimmsten dran sind aber ohnehin jene armen Menschen, die ihr Bett direkt unter einem Dachflächenfenster aufgestellt haben. Denn schreckt man nachts hoch, weil ein Dämon auf der Dachschräge liegt und das Bett im Blickfeld hat, erübrigt sich die Frage, ob nun die Dunkelheit oder die Wand grundsätzlich mehr Schutz bietet. In diesem Fall empfiehlt es sich, das Schlafzimmer zumindest in puncto Fluchtwege halbwegs nach Feng-Shui-Kriterien angelegt zu haben. Ja, Prävention ist enorm wichtig für einen gesunden Schlaf ohne Störung durch nächtlichen Besuch aus der Twilight Zone. Apropos, wenn wir gerade beim Thema Prävention sind – schauen Sie sich „Paranormal Activity“ im Kino eher nicht allein an! Und wenn doch? Dann werden Sie einsehen, dass die Frage, ob man lieber an der Wand oder an der Bettkante liegt, im Grunde herzlich egal ist. Reden Sie dann doch lieber über Sex.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 11.01.2010)

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Über Erich Kocina
Erich Kocina, Redakteur der Tageszeitung "Die Presse"

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