Eine nicht ausschließlich begünstigende Änderung

Was heute nicht richtig ist, kann morgen schon ganz falsch sein. Was häufig mit dem Versuch einer Rechtfertigung endet, die ihr Heil im Satanismus findet – einem kindlich-comicartigen, zugegeben. Aber warum fällt es eigentlich so schwer, einen Fehler zuzugeben? Warum wird, statt das eigene Versagen einfach einzugestehen, ständig die metaphysische Gestalt des Fehlerteufels aus dem Schattenreich heraufbemüht. Oje, hat er sich also wieder eingeschlichen, der kleine Racker – vielleicht auch noch mit einem Diminutivchen auf harmlos getrimmt, das kleine Fehlerteuferl! Jö, schau wie lieb es da steht in seinem Rauchwolkerl…

Möge das Teuferl, wenn es schon zum Kaschieren des eigenen Unvermögens aus seinen feurigen Träumen gerissen wurde, gleich auch an anderer Stelle aufräumen. Etwa bei jenen, die in ihren Schriften jemanden „etwas zum Besten geben“ lassen. Bei denen, die davon berichten, dass bei einer Veranstaltung jemand „das Tanzbein schwingt“. Und auch bei jenen, die von „Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur“ schwadronieren, die „Alt und Jung“ oder gar „exotische Schönheiten“ vor den „heimischen Köstlichkeiten am Buffet“ auftreten lassen. Und auch bei all den anderen, die das Phrasenschwein so lange von der Leine lassen, dass es beim Wälzen im sprachlichen Unrat derart viele nichtssagende Allgemeinplätze um sich schleudert, dass es damit all die Kommunikationskonsumenten mit verbalem Schmutz bewirft.

Möge der Fehlerteufel gleich auch all jene mit dem Dreizack piksen, die für Internetprovider, Mobilfunkbetreiber oder wen auch immer Briefe an Kunden verschicken, die in unverbindlichstem Beamtendeutsch damit beginnen, dass in Bälde „eine nicht ausschließlich begünstigende Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ in Kraft trete. Was nichts anderes ist als der kleine Bruder des Fehlerteuferls, der hinter seinem Rücken eine Preiserhöhung zu verbergen sucht. Jö, schau, wie lieb es da steht in seinem Rauchwolkerl…

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 03.03.2014)

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Über Erich Kocina
Erich Kocina, Redakteur der Tageszeitung "Die Presse"

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