Diese Weihnachtskolumne ist zu 27,3 Prozent erfunden

Aus Mangel an eigenen Kindern lassen sich rührende Erlebnisse rund um Weihnachten halt nicht so leicht erzählen. So auf die Art, wie der Zehnjährige dem Papa verständnisvoll ins Ohr flüstert: „Du, ich weiß eh schon seit ein paar Jahren, dass es das Christkind gar nicht gibt. Aber ich wollte dich nicht enttäuschen, darum hab ich mitgespielt.“ Also muss der persönliche Erfahrungsschatz eben mit Kuriosa aus externen Quellen aufgepimpt werden. Etwa mit Umfragen aus der Markt- und Meinungsforschung, die uns dabei helfen, das Phänomen Weihnachten besser zu verstehen. Hier erfährt man unter anderem, dass 71,7 Prozent der Österreicher schon mindestens einmal ein falsches Geschenk bekommen haben, sich das 67,8 Prozent jedoch nicht anmerken ließen – hat ja nie jemand behauptet, dass Weihnachten das Fest der Aufrichtigkeit ist. 68 Prozent streiten rund um das Fest der Liebe (das macht 50 Cent fürs Phrasenschwein) mit der Familie oder dem Partner. Zu 35 Prozent ist das Aufräumen und Putzen daran schuld, gefolgt vom Organisieren familiärer Veranstaltungen mit 27 Prozent. Letztere gehören für 72 Prozent zur Weihnachtszeit dazu – nach mageren 65 Prozent im Vorjahr ein deutlicher Anstieg. 46 Prozent backen ihre Weihnachtskekse selbst – und im Dezember legen die Anmeldungen in Fitnesscentern um etwa 20 Prozent zu. (Ja, alle diese Umfrageergebnisse gibt es wirklich!)

Immerhin, hier kann man – auch ganz ohne Kinder– aus eigner Erfahrung etwas beisteuern. 16,9 Prozent treffen bei „Stille Nacht“ auf Anhieb den richtigen Ton. 34,5 Prozent der Bonbonnieren, die unter dem Christbaum liegen, sind weitergeschenkte Firmengeschenke, auf 18,2 Prozent klebt sogar noch die Glückwunschkarte mit bestem Dank für die gute Zusammenarbeit. 57,3 Prozent der Österreicher glauben immer noch, dass Peter Rapp „Licht ins Dunkel“ moderiert. 67,2 Prozent können sich noch an weiße Weihnachten erinnern. Und etwa 77,8 Prozent der besten Geschenkideen hat man in der Woche nach Weihnachten.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 22.12.2014)

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Über Erich Kocina
Erich Kocina, Redakteur der Tageszeitung "Die Presse"

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