Die Hände hinter dem Rücken verschränken

Der Kampf gegen eine Körperhaltung, die vor allem älteren Männern zugeschrieben wird.

Peinlich berührt. Hat man sich wirklich gerade selbst dabei ertappt, wie man beim Gehen die Hände hinter dem Rücken verschränkt hat? Ganz genau, das ist jene Körperhaltung, die vor allem älteren Männern zugeschrieben wird. Die tritt, so sagt man, zum selben Zeitpunkt ein, zu dem man hellbraune Mäntel zu tragen beginnt. Und einen Hut, den man freundlich lupft, wenn man auf der Straße jemandem begegnet. Kurzum, es ist eine Verhaltensweise, für die man sich bis zu einem bestimmten Alter zu jung fühlt. Wie kommt es überhaupt dazu? Vielleicht, weil dadurch die Wirbelsäule entlastet wird, man nicht so nach vorn gebückt steht? Oder weil man die Hände aus welchen Gründen auch immer nicht in die Hosentaschen stecken möchte, sie aber nicht einfach herunterbaumeln sollen? Hat man ja früher gelernt, dass Hände im Hosensack (sagt das heute eigentlich noch jemand?) unfein sind, so wie das Lümmeln mit den Ellbogen auf dem Tisch. Ups, und schon wieder hat man gedankenverloren die Arme hinter dem Rücken.

Ein bisschen schummeln geht natürlich. An der roten Ampel, zum Beispiel. Da wird dann gleichzeitig der Rücken durchgestreckt, die Beine stehen etwas weiter als schulterbreit, und der Blick wandert starr geradeaus, bis man wirkt wie ein Soldat aus einem amerikanischen B-Movie. Doch sobald die grünen Ampelmännchen aufleuchten, fliegt der Betrug auf, wirkt die Körperhaltung nicht wie bei Jean-Claude Van Damme in den 1980ern, sondern wie bei einem durchschnittlich unsportlichen Menschen in seinen 80ern. Gerade, dass im Hintergrund nicht STS dreistimmig zu „Großvater“ ansetzen.

In diversen Körpersprache-Ratgebern ist auch die Rede davon, dass die Hände hinter dem Rücken zeigen, dass man etwas zu verbergen hat. Gute Idee, eigentlich. Nur wie verbirgt man damit, dass man gelegentlich unbewusst die Hände hinter dem Rücken verschränkt?

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 04.01.2016)

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Über Erich Kocina
Erich Kocina, Redakteur der Tageszeitung "Die Presse"

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