Die Blumentopferde spielen eine Runde Magentarot

Wenn der Homograf ausreitet, darf auch die Siebente ruhig einmal auf die Wachstube drücken.

Als wir neulich aufbrachen, um Spezifische zu fangen, breiteten wir am Alpenostrand unsere Handtücher aus, als plötzlich ein seltsamer Geruch aufzog. Der menschliche Urinstinkt, offenbar. Monoski, der Metropole aus Krakau, hatte es schon wieder nicht länger ausgehalten. Erbrecht doch, sagte er frech. Tatsächlich wurde allerdings auch Erblasser. Da an Angeln nicht mehr zu denken war, blieb uns nur mehr die Frustration übrig. Zum Glück hatten wir eine eingepackt, falls das Spielende sich bald einstellen sollte. Rohrohrzucker, schon wieder, hoffentlich diesmal ohne Ohrenschmalz. Nächstes Mal, sagte ich, schauen wir uns dieses Judendorf Straßengel an – wo immer man sich diese steirische Marktgemeinde auch hinschmiert. Allerdings waren die anderen Gelächter und dementsprechend wenig erbaut von meinem Vorschlag. Schade, gerne hätte ich ihnen etwas aus der Wachstube gedrückt.

Auf dem Wasser schwammen einstweilen ein paar Tangenten vorbei. Und eine Siebente. Sie dürfte allerdings schon etwas älter gewesen sein, denn sie hatte schon Staubecken angesetzt. Es waren auch andere Tiere zu sehen. Ein paar Blumentopferde rannten an den Zwangsneurosen vorbei. Und aus dem Gebüsch hörte man eine Eidotter zischeln. Als wir eine Runde Magentarot spielten, zog plötzlich ein Gewitter auf. Die armen Kühe, hoffentlich hatten sie eine Rinderdung, damit der Blitz nicht einschlägt. Sie wirkten aber entspannt und delektierten sich weiter an ihren Kaufladen. Irgendwann packte der Pole dann seine Torflaute aus und wollte uns die Legende vom Eistempel vorsingen. Doch nach derart Winterlichem war uns nicht. Und so kam es schon bei der ersten Strophe zu einer abrupten Versendung. Da wurde er bockig und schaltete auf stur. Beruhige dich wieder, sagten wir zu ihm. Dafür sagen wir ab jetzt Homograf zu dir. „Na gut“, meinte er, „Streikende“.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 24.07.2017)

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Über Erich Kocina
Erich Kocina, Redakteur der Tageszeitung "Die Presse"

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