Es gibt noch so viel zu sagen, dem ist nichts hinzuzufügen

„Punkt“ am Ende macht einen Satz nicht richtiger, „Ich sage ganz klar“ muss keine Klarheit bringen.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Stimmt nur nicht. Denn irgendetwas geht immer. Sogar bei Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch – Sie wissen schon, das ist diese walisische Gemeinde, die für den längsten amtlichen Ortsnamen Europas oder so im „Guinness-Buch der Rekorde“ steht – könnte man noch etwas hinzufügen, wenn man das wollte. Und bei apodiktischen Aussagen am Ende einer Argumentation sowieso. Es gibt nämlich noch viel zu sagen. Dass Phrasen wie diese vor allem dazu dienen, keine weiteren Argumente mehr zuzulassen, zum Beispiel. Dass „Roma locuta, causa finita“ argumentativ ähnlich schwach ist wie „Weil ich das sage“ auf das kindliche „Warum?“. Dass „Basta“ eine Debatte abwürgt, nur weil man keine Lust mehr auf weitere Argumente hat. Und dass „Punkt“ einen Satz nicht richtiger macht, nur weil man am Ende noch ein Satzzeichen als sprachlichen Donnerschlag setzt. Aber auch, dass „Ich sage ganz klar“ am Anfang keine Garantie dafür ist, dass danach wirklich etwas Klares kommt.

Der schöne Begriff „Wischiwaschi“ wurde übrigens in Anlehnung an das „Gewäsch“ gebildet, das einst für die mindere Qualität der Unterhaltung beim Waschen der Schmutzwäsche stand, als das noch kollektiv und ohne Maschine gemacht wurde. Wohingegen Larifari von den Tönen a, d und f kommt, die zusammen den d-moll-Dreiklang bilden. Nur dass diese Noten im Italienischen la, re und fa genannt werden. Do, re, mi, fa, sol, la, si, do – Sound of Music, Sie wissen schon. Der Begriff hinter dem Verfahren, die Tonstufen eines Gesangs auf bestimmte Silben zu singen, um ihren Ort im Tonsystem zu erkennen, nennt sich übrigens Solmisation. Worauf man nicht alles stößt, nachdem man schon dachte, dass nichts mehr hinzuzufügen sei, oder? Dem können Sie jetzt gern etwas hinzufügen.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 26.03.2018)

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Über Erich Kocina
Erich Kocina, Redakteur der Tageszeitung "Die Presse"

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