Der schlechteste Witz der Welt

Witze sind gefährlich. Einmal angefangen, kann eine ganze – bis dahin spannende – Gesprächsrunde plötzlich zum Bruhaha ausarten, das spätestens nach dem dritten Scherz peinlich wird – und nur der oder die Erzähler nicht die pikierten Blicke der anderen Gesprächspartner bemerkt.

Und doch erfüllt der Witz eine immens wichtige Aufgabe, etwa um eine ins Stocken geratene Konversation wieder anzukurbeln. Gut, das geht auch mit völlig ohne jeden Zusammenhang hervorgekramten Fragen à la „Was hältst du eigentlich von Kaviar?“, aber versuchen Sie das mal an einem Stammtisch mit rot-weiß karierten Tischtüchern!

Besonders geeignet als Kommunikationsturbo sind Scherze aus der Kategorie „kurz und schmerzvoll“. Beispiel: „Was ist weiß und stört beim Essen? Lawine!“ Ja, es sind genau diese „Was ist“-Scherzchen, die kurz genug sind, um nicht gleich als Auftakt zum Gaudimax zu fungieren, das kommunikative Eis jedoch innerhalb kürzester Zeit brechen. Ein gangbarer Weg, wenn die Zeit nicht reicht, um das Eis mit geistreichen Dialogen langsam zu schmelzen, ist das allemal. Auch im angloamerikanischen Sprachraum sind derartige Kalauer weit verbreitet: „Why don’t sharks eat clowns? Because they taste funny!“

Zugegeben, für Sobig (So bad, it’s good) reicht das noch nicht, aber bei kommunikativen Zwischenmahlzeiten muss man eben Abstriche machen wie der hungrige Gourmetkritiker im Fast-Food-Restaurant.

Apropos: Wissen Sie, warum Giraffen so einen langen Hals haben? Weil der Kopf so weit oben ist! Au, der tut weh. Und ich sehe Sie schon nasenrümpfend am Frühstückstisch sitzen, bereit, unsere Kommunikation durch Umblättern zu beenden. Gut, also andere Taktik – was halten Sie eigentlich von Erbsen?

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 12.10.2009)

Liebesgrüße aus Kairo

Beim Lernen von Fremdsprachen dauert es in der Regel nicht lange, bis der Lehrer zum ersten Mal die Frage nach den wichtigsten Schimpfwörtern gestellt bekommt. Der zweite Fragenblock dreht sich unter aufgeregtem Gekicher der Schüler meist um besonders unaussprechliche Gustostücke (der Verzicht auf das Diminutiv sei mir gestattet) à la „Oachkatzlschwoaf“, „Strc prst skrz krk“ (tschechisch: Steck den Finger durch den Hals“) usw. Und schließlich muss der mittlerweile völlig entnervte Pädagoge auch noch den wichtigsten aller Sätze in Text und Ton bereitstellen – „Ich liebe dich“.

„Was müssen die Holländer für einen Spaß haben“, meinte schon der deutsche Kabarettist Bodo Wartke, der in seinem „Liebeslied“ genau diesen Satz in unzähligen Sprachen und Dialekten verarbeitet hat – und tatsächlich erregt „Ik hou van jou“ beim gelernten Österreicher wohl weniger das Herz als vielmehr die Lachmuskeln. So wie auch „Minä rakastan sinua“ (finnisch), „Ben seni seviyorum“ (türkisch) oder „Wo ai ni“ (Mandarin) hierzulande wohl nur bedingt zur Romantisierung einer Situation beitragen.

Besonders perfid ist es, diesen Satz schriftlich abzufassen – in Zeichen, die der Laie nicht einfach durch den Google-Übersetzer rattern lassen kann. Das arabische „Ana behibek“ etwa, in eleganten Schnörkeln auf eine Postkarte gemalt, bedeutet für die Empfängerin zunächst einmal eine harte Nuss. Die ohne einen sprachlichen Nussknacker aus dem arabischen Raum kaum aus ihrer Schale zu holen sein wird. Umso schöner muss dann die Situation sein, wenn ein ägyptischer Zeitungskolporteur irgendwo am Wiener Gürtel kurzfristig zum Übersetzungsbüro umfunktioniert wird. Frei nach dem Motto: Ein guter Tag beginnt mit der besseren Liebeserklärung.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 05.10.2009)

Zum Abmalen: "Ich liebe dich" auf Arabisch.

Die intellektuelle Niederkunft

Wer hätte gedacht, dass es gerade hier passieren würde? Gerade in der Hurriya-Bar in Kairo, in der Dutzende Ägypter (nur Männer natürlich) bei einem Stella-Bier sitzen, die Luft vom Rauch unzähliger Filterzigaretten zu Indoorsmog entreinigt, da ging mir der Knopf auf. Es war gerade ein paar Tage her, seit der Arabischkurs begonnen hatte, beim Anblick der Schriftzeichen rauchte mein Kopf ähnlich stark wie die blauen L&M meines Tischnachbarn. Da fiel mein Blick auf eine Getränkekarte an der Wand. Und siehe da, die Zeichen formierten sich vor mir: Kef – Alev – Kef – Alev – Wouw (Letzteres wird tatsächlich wie ein Ausruf der Bewunderung ausgesprochen) – ich hatte gerade ohne Hilfe mein erstes Wort in Arabisch gelesen. Und dann noch so ein schönes: Kakao!

Nun muss man wissen, dass die Gäste der grindig-liebenswerten Hurriya-Bar nie im Leben ihr Stella gegen einen Kakao tauschen würden, doch allein die Tatsache, dass er hier auf einer Karte steht, erfüllt mein Herz mit Freude. Ein kleiner Gruß aus der Heimat, vom täglichen Tiroler Trinkkakao bei meinem Lieblingsbäcker.

Nie würde ich auf die Idee kommen, wie viele Exil österreicher nach Wiener Hochquellwasser oder Schwarzbrot zu lechzen. Aber Kakao, auch wenn es ihn ohnehin fast überall zu kaufen gibt, der weckt dann doch ein bisschen Heimatgefühle. Umso schöner, wenn dieses Göttergetränk die intellektuelle Niederkunft meiner rudimentären Arabischkenntnisse markiert – und sei es in einem charmant-schäbigen Bierlokal. Im Grunde hätte diese sprachliche Initialzündung nicht besser sein können. Es sei denn, natürlich . . . also gut, sobald ich herausgefunden habe, wie man Almdudler auf Arabisch schreibt, melde ich mich wieder.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 28.09.2009)

Onomatopoesie aus der Nase

Gerade auf Reisen stürzen scheinbare Selbstverständlichkeiten gern in sich zusammen. Dass zum Beispiel der Laut des Niesens nicht in  aller Welt dem entspricht, was wir hierzulande als Grundkonstante menschlicher Kommunikation verstehen. „Hatschi“ wird etwa in der islamischen Welt vordergründig als eine Person verstanden, die bereits den „Hadsch“ – die Pilgerreise nach Mekka – hinter sich hat. An Erkältung, Heuschnupfen und Co. denkt da niemand. Und auch anderswo krähen nicht nur die Hähne anders („coco roco“ in Frankreich, zum Beispiel), sondern wird auch das Niesgeräusch onomatopoetisch völlig unterschiedlich gedeutet.

Man denke an „atishoo“, wie wir es im Englischunterricht aus „Ann & Pat 1“ gelernt haben. Das übrigens ähnlich klingt wie das „etciu“ im Italienischen oder das finnische „atsiuh“. Auch das französische „atchoum“ lässt sich da noch ein bisschen heraushören. Etwas mehr Fantasie braucht man schon, um dahinterzukommen, dass ein japanischer Samurai mit „haku shon“ exakt das Gleiche ausdrückt wie ein türkischer Gemüseverkäufer, der ein „hapsu“ in die Welt prustet.

Bei den Antworten liegt man mit „Gesundheit“ (italienisch „salute“, französisch „salut“) vermutlich nie ganz falsch. Würde man allerdings das englische „bless you“ auf Deutsch umlegen, wären wir bei etwas pathetischen Wünschen à la „Gott segne dich“ – ein Spruch, der in unseren Breiten gelegentlich eher verschnupft aufgenommen wird. Immerhin, das ist allemal liebevoller als ein „Zerreißen soll’s dich“, wie es ein Kärntner Kollege immer wieder gern anbringt. Meine Antwort darauf ist wiederum klar: „Und das größte Stück soll dich treffen!“ Nur, wie erkläre ich das jetzt wieder einem Franzosen?

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 21.09.2009)

Ihr wisst gar nichts über mich!

Seit ich bei Amazon eine „Hannah Montana“-DVD als Geburtstagsgeschenk für meine Nichte bestellt habe, ist es vorbei mit der Ruhe. Denn sobald ich wieder auf die Seite gehe, werde ich mit brandheißen News zu den Cheetah Girls, Miley Cyrus und dem besonders unseligen „High School Musical 3“ empfangen. Mit meiner Bestellung wurde ich wohl von einem bösartigen Algorithmus als 11-jähriges Mädchen identifiziert – und werde dementsprechend mit altersadäquaten Kaufhinweisen versorgt.

Vermutlich hat mich mein Supermarkt angesichts meines Einkaufsverhaltens – natürlich mit der Kundenbonusvorteilscard – längst auch in ein Raster gepresst und weiß genau Bescheid, wie ich lebe und wofür ich mich so interessiere. Was mich wieder auf die Idee bringt, den Algorithmus einmal ein wenig auf eine falsche Fährte zu locken.

Hätte doch was, einige Monate hindurch täglich eine Portion Keta-Kaviar, eine Portion Gänseleber, ein Fläschchen Dom Pérignon und langstielige Rosen über den Scanner jagen zu lassen – und von einem Tag auf den anderen den Einkauf auf eine Dose Ravioli in Tomatensauce und eine Dose Ottakringer zurückzufahren. Irgendwo in der Zentrale schrillt dann eine Alarmglocke – und kurz darauf ruft ein besorgter Manager des Kundenclubs an, ob mit mir auch wirklich alles in Ordnung ist. Oder ob meine Superbonusvorteilsmitgliedskarte womöglich gestohlen worden sein könnte. Ich würde mich in diesem Moment zurücklehnen, deutlich hörbar einen Schluck aus der Bierdose machen und dem Kundenbetreuer entgegenschleudern: „Ihr wisst absolut nichts über mich!“

Dann würde ich auflegen und am CD-Player das aktuelle Album von Miley Cyrus weiterlaufen lassen. So schlecht ist das nämlich gar nicht . . .

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 14.09.2009)

Mein Körper geht mir auf den Geist

Es gibt Tage, an denen einem der Körper so richtig auf den Geist geht. Wenn beim Aufstehen der Rücken schmerzt, nach dem Duschen immer ein paar Haare in der Wanne herumliegen müssen oder man einen Sessel braucht, um ein Buch von ganz oben aus dem Regal zu holen. Oder wenn nach einem Sportunfall der Arm mit einem Gips ruhiggestellt wird – zugegeben, ein Armbruch ist noch lange kein Beinbruch, aber so manche alltägliche Verrichtung entwickelt sich damit zu einem Zauberkunststück à la Houdini. Ähnlich unangenehm ist jener Augenblick im Kino, in dem die  Erkenntnis massiven Druck macht, dass man den halben Liter Cola nicht gleich zu  Beginn der Vorstellung hätte austrinken sollen.

In Momenten wie diesen ziehe ich mich immer tief in Gedanken zurück und sinniere darüber, wie man es wohl nennt, wenn man sieht, dass ein Bus kommt, und man vor ihm herläuft, um rechtzeitig die Station zu erreichen. Läuft man dem Bus da nach? Ist es sinnvoll, für Frieden zu kämpfen oder nach Ruhe zu schreien? Ist ein Waschbär waschbar? Und wie kann man sich eigentlich die Konsistenz von Flüssigwaschpulver vorstellen?

Fragen über Fragen, die sich so stellen, wenn man sich von der Körperlichkeit löst und sich völlig auf die Ratio reduziert. Kein Hunger mehr, kein Japsen nach Luft beim Joggen auf die Gloriette, keine wunden Fingerkuppen nach dem Gitarrespielen . . . Das hätte schon seinen Reiz, oder? Fragt sich nur, wie ich in meiner gänzlich entkörperten Existenz all diese bewegenden Gedanken zu Papier bringen könnte. Aber da werde ich mir schon noch etwas einfallen lassen, denn eines ist klar: Ich kann mir eine Welt ohne Fantasie nicht vorstellen.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 07.09.2009)

Bücher ordnen, aber richtig

Wer Nick Hornbys „High Fidelity“ gelesen hat, kennt die drei Arten, nach denen man seine Plattensammlung sortieren kann. Alphabetisch, chronologisch, biografisch. Punkt. Wortmeldungen von Exoten, die behaupten, ihre CDs nach Größe zu ordnen, sollte man stillschweigend ignorieren. Bei Büchern wäre ein solcher Einwurf hingegen durchaus zulässig. Schließlich gibt es hier ein bei Weitem umfangreicheres Spektrum an Sortiermöglichkeiten, das sich irgendwo zwischen den Extrempolen Ästhetik und Anwenderfreundlichkeit einpendelt. Alphabetisch, chronologisch, biografisch (die kennen wir schon), nach Verlag, nach Genre, nach Farbe (eine Freundin trug übrigens extra ein Sommerkleid in Petrol, als sie „Microeconomic Theory“ in die Lehrbuchsammlung zurückbrachte . . .), nach Hardcover oder Taschenbuch, nach Sprache, nach dem Zufallsprinzip et cetera. Schall und Rauch, es gibt eine viel kreativere Methode: Ordnen nach Getränk.

Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir kommen ins Pastis-Regal, „Herr Lehmann“ von Sven Regener ist das klassische Bier-Buch, Friedrich Torbergs „Tante Jolesch“ gehört zum Kaffee und einen Sir Arthur Conan Doyle könnte man sowieso direkt neben die Teebeutel stellen. Die Wodka-Ecke ist mit Wenedikt Jerofejews „Die Reise nach Petuschki“ bestens besetzt, bei Salman Rushdie denkt man dagegen eher an Mango Lassi, die letzten Kinderbücher lassen sich ganz gut unter Himbeersaft zusammenfassen. Und dazu noch eine kleine Abteilung mit dem Label „Messwein“. Na, das macht doch intellektuell schon etwas her, oder? Zumindest mehr als die Ordnung, die vermutlich bei vielen von uns eher traurig aussehen würde und auf die wir uns hier gar nicht erst einlassen wollen: gelesen oder nicht gelesen.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 31.08.2009)

Wo ist Yesterday Repair Man?

Am nächsten Morgen ist die Sehnsucht groß. Gleich nach der einsetzenden Erinnerung und dem entsetzten Griff auf die Stirn wünscht man ihn sich herbei – den Yesterday Repair Man. Kennen Sie nicht? Nun, das ist jener Superheld, der fragwürdige Entscheidungen vom Vortag rückgängig macht, etwa eine SMS, die man so nicht abschicken hätte sollen, rückwirkend von der SIM-Karte und aus dem Gedächtnis löscht. Zugegeben, praktisch wäre das schon. Andererseits aber auch langweilig.

Und eine Verschwendung von Ressourcen noch dazu, schließlich brauchen wir ganz andere Superhelden viel dringender. Beispielsweise bei Gesprächen mit (vornehmlich) Männern, deren Nasenbehaarung beschlossen hat, für einen Sonntagsausflug ein wenig in die freie Natur zu lugen. Ein Fall für Nasenhaarauszupfman, der in seinem hautengen Overall mit einer gleißend leuchtenden Schere in der Rechten vom Himmel stürzt und im Bruchteil von Sekunden – und vom Nasenhaarträger unbemerkt – die haarigen Bösewichter um einen Kopf kürzer macht. Chapeau! An seiner Seite im Olymp der Superhelden steht im hautengen weißen Kittel Spinatausdenzähnenputzman in ständiger Alarmbereitschaft. Und kann sofort eingreifen, wenn beim Italiener ums Eck der stumme Hilfeschrei eines jungen Mannes ertönt, der die Kerzenscheinromantik nicht durch zahnkosmetische Hinweise an sein reizendes Gegenüber zerstören möchte. Hosenschlitzzuziehman muss ebenfalls gelegentlich ausrücken, so wie Klorollennachfüllman bei manch ungläubigem Griff ins Leere zur Hilfe anrollt. Ja, es gibt viel zu tun.

Ach ja, falls Sie in nächster Zeit irgendwo Sinnvollekolumnenideenman begegnen sollten, schicken Sie ihn doch bitte mal bei mir vorbei!

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 24.08.2009)

Die Antwort auf alle Fragen

Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage? Eine berechtigte Frage, die treffend eines der Grundprobleme menschlicher Kommunikation beschreibt – dass man in so mancher Situation Dinge von sich gibt, die im zwischenmenschlichen Koordinatensystem zwischen überflüssig, unpassend und peinlich verortet sind. Kaum ausgesprochen, würden die gerade aufgeschreckten Ganglien am liebsten ein Netz auswerfen, um die mit falscher Munition aufgeladenen Schallwellen noch abzufangen, ehe sie holterdipolternd auf fremdes Trommelfell klopfen.

Dass ein solches Unterfangen schon aus rein physikalischen Gründen nicht gelingt, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Aber keine Angst, damit speise ich Sie nicht ab – wir sind ja lösungsorientierte Menschen. Und die Lösung für oben genanntes Problem ist ganz simpel. Sie besteht aus drei Buchstaben (und wahlweise einem Rufzeichen oder drei Punkten) und ist universell einsetzbar: „Tja!“

Spielen wir eine Situation durch, etwa ein Gespräch über Fußball. „Gut haben sie gespielt gestern“, sagt das Gegenüber. „Tja!“ Damit ist alles gesagt – und man hat nichts Dummes gesagt. Denn „tja!“ kann alles heißen. „Ja, gut gespielt“, „Finde ich eher nicht“ bis zu „Ist mir so was von vollkommen wurscht, verdammt noch mal“. Ein „tja!“ funktioniert auch bestens, wenn man den Gesprächspartner akustisch nicht versteht, aber auf eine Nachfrage verzichten will. Selbst einer Frage kann man so ausweichen, denn „tja!“ ist neben seiner universalen Anwendbarkeit auch ein Killerwort, das ungewollte Kommunikation mit einem Schlag abwürgt. Denn was soll man auf diese in drei Buchstaben komprimierte universale Wahrheit noch antworten? Tja . . .

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 17.08.2009)

Laufende Nasen und riechende Füße

Sparen ist eine Lieblingsdisziplin der Österreicher. Doch während der Euro brav aufs Sparbuch getragen wird, kommt niemand auf die Idee, sich dumme Fragen zu sparen. Nehmen wir den Klassiker, der bei frühmorgendlichen Anrufen zu hören ist: „Bist du schon wach?“ Ähnlich sinnvoll gefragt fühlt sich der Nieser mit tränenden Augen, der gerade ein Taschentuch zur schleimigen Kunstaktion gemacht hat – „Hast du einen Schnupfen?“ Das konkrete „Hast du deinen Reisepass (Schwimmreifen, Sonnenschirm, Pilotenschein etc.) eingesteckt?“ kurz vor der Abreise hätte grundsätzlich schon Sinn, doch allzu oft begegnen wir lediglich dem sinnlos-besorgten „Hast du eh nichts vergessen?“

Andere sinnlose Fragen haben zumindest auf der semantischen Ebene einen gewissen Unterhaltungswert. Etwa die Überlegung, ob man mit einem Navigationssystem auch zu sich selbst finden kann. Oder das Rätsel, warum Füße riechen, während Nasen laufen können. Gegenstand so mancher Diskussion ist auch, ob Vegetarier Schmetterlinge im Bauch haben dürfen.

Um Sinnloses von sich zu geben, ist allerdings nicht zwingend ein Fragezeichen vonnöten. Man denke nur an die Zeiten vor der Rufnummernerkennung am Telefon – wie oft stellte sich da der Anrufer mit den zwei bedeutungsschwangeren Worten „Ich bin’s“ vor! Diese Miniphrase hat sich aber auch in Zeiten des Handys noch eine kleine Nische gefunden und verstört regelmäßig bei unangekündigten Besuchen an der Gegensprechanlage.

Und dann gibt es da noch die Frage, die Kinder im Kasperltheater zu begeisterten Jasagern macht – „Seid ihr alle da?“ Nur eine gerne verwendete Phrase ist noch nerviger – soll ich sie Ihnen sagen?

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 10.08.2009)