Noch viel, viel böser als Fendrich

In den vergangenen Tagen war es geradezu ein Sport, auf Rainhard Fendrich loszugehen. Und zugegeben, nicht ganz zu Unrecht. Nein, damit meine ich nicht das Kokain. Natürlich, Drogen sind böse, aber wirkliche Schmerzen hat der einstige Held des Lagerfeuer-Austropop seinen altgedienten Fans lange vor der Kokain-Affäre zugefügt – mit jedem Album ab 1988 etwa, getoppt vom dümmlichen „Blond“, aber auch mit der Moderation von Herzblatt und der Millionenshow. Mit Niveauabfall und schleichender Verseniorenclubisierung des einstigen Idols glänzten Perlen wie „Zweierbeziehung“ oder „Rattenfänger“ nur mehr durch den von Tränen benetzten Vorhang der Nostalgie.

Gut, suchen wir eben andere Idole. Nicht mehr ganz frisch und doch erfrischend hätten wir da Heli Deinboek. Bei Blues mit zynisch schwarzen Texten können wir im u.s.w. (8, Laudongasse 10; 20.30 Uhr) der guten Zeiten gedenken. Andere Möglichkeit: NDR überträgt ab 21 Uhr das Semi-Finale des Song Contests aus Athen, bei dem meine erklärten Publikumslieblinge spielend den Einzug in die Endrunde schaffen sollten: Die Finnen Lordi sind musikalisch zwar nur eine „Sound der Achtziger“-Hardrock-Band, doch alleine ihr Auftreten in Monsterkostümen bringt endlich wieder frischen Wind (jenseits dümmlicher Comedy) in den Schlagerbewerb. Ihr „Hard Rock Halleluja“ könnte schon bald zur neuen Hymne am Lagerfeuer werden – wenn auch nur unplugged. Die Band positioniert sich so quasi als Gegenpol zum Spätwerk von Rainhard Fendrich. In diesem Sinne: Vote for Lordi!

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 18.05.2006)

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Über Erich Kocina
Erich Kocina, Redakteur der Tageszeitung "Die Presse"

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