Das ist die leichteste Regel der deutschen Sprache

Das „das“ birgt viele Missverständnisse, etwa das, dass „das“ mit einem oder zwei s geschrieben werden kann. Je nachdem, wie viele s dem „da“ folgen, bedeutet das Wort etwas anderes. Das wiederum liegt daran, dass es in Wirklichkeit vier verschiedene Wörter sind. So kann das „das“ erstens ein Artikel sein, der einem sächlichen Nomen vorangestellt wird. Zweitens kann es sich in derselben Schreibweise um ein Demonstrativpronomen handeln, das für „dies“ steht. Drittens kann es ein Relativpronomen sein, das auch durch „welches“ ersetzt werden könnte. Und schließlich kann es sich um eine Konjunktion handeln, ein Bindeglied zwischen zwei Satzteilen – dann aber wird es mit zwei s geschrieben. (Das „dass“ als „daß“, das gibt es seit Einführung der neuen deutschen Rechtschreibung gar nicht mehr.)

Allein in jüngster Zeit scheint das Wissen über den korrekten Einsatz der ein- oder der zwei-essigen Variante zunehmend in Vergessenheit geraten zu sein. Mehr noch, so wie Fußballanalytiker Herbert Prohaska beim Verwechseln von Dativ und Akkusativ eine annähernd hundertprozentige Trefferquote hat („Ich habe dem Spieler gesehen. Das muss ich ihn sagen!“), so scheint sich auch in der geschriebenen Sprache ein Wandel zu vollziehen. Nicht nur in SMS, Tweets oder schnell hingerotzten E-Mails, nein, sogar in Zeitungen und Zeitschriften wird das „das“ und das „dass“ immer wieder falsch angewandt. Und nein, mit Schlampigkeit allein lässt sich das nicht erklären.

Das schmerzt. Vor allem, weil es sich bei der Unterscheidung wohl um die leichteste Regel der deutschen Sprache handelt. Gerade in Österreich lässt es sich bei Zweifeln ganz einfach überprüfen – lässt sich das umgangssprachliche „des“ einsetzen, schreibt man es mit einem s. Das war es schon. Und künftig bitte aufpassen, dass das „das“ immer das richtige „das“ ist. Oder das „dass“, je nachdem.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 05.08.2013)

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Über Erich Kocina
Erich Kocina, Redakteur der Tageszeitung "Die Presse"

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