Leute, die am Ende eines Satzes drei Punkte machen

Auslassungspunkte am Satzende häufen sich. Und es ist fraglich, ob man das gut finden soll . . .

Machen wir einen Punkt. Wenn man sich selbst dabei ertappt, dass man am Ende eines Satzes gern drei Punkte macht, bleibt schließlich einiges offen. Dass man nämlich davor zurückschreckt, etwas auszusprechen – oder eher auszuschreiben. Und mit den drei Punkten am Ende rettet man sich darüber hinweg – denn dadurch bleibt offen, wie etwas gemeint ist. Sie sind nicht so absolut wie der Punkt. Nicht so aggressiv wie ein Rufzeichen. Nein, die drei Punkte sind wie das Hochziehen der Schultern mit dem Du-weißt-schon-Blick und dem Verdrehen der Augen nach oben. Wie ein tja, das übrigens auch aus drei Zeichen besteht und das alles und nichts sagt. Es ist jedenfalls ein ruhiger Gegenentwurf zum derzeit so gefragten aufgeregten Aneinanderreihen von Rufzeichen, als klemmte gerade eine Taste. Wenig verwunderlich, dass die drei Punkte auch Auslassungspunkte genannt werden. Um schlimme Wörter nicht in den verschriftlichten Mund nehmen zu müssen („Scher dich zum . . .“), um ein langes Zitat mittendrin zu verkürzen („Land der Berge [. . .] Österreich“) oder um in einer Aufzählung nicht alles aufzählen zu müssen, also anstelle von usw, etc. pp., . . . Und schließlich eben auch noch dieses gewollte Offenlassen, das mit zuckenden Schultern die Leser dazu bringt, sich selbst ein paar Gedanken dazu zu machen.

Bei inflationärer Verwendung der drei Punkte am Ende bleibt in jedem Fall ein schaler Nachgeschmack . . . Und genau den sollte man vermeiden. Es böte sich also an, Satzenden wieder etwas bestimmter werden zu lassen. Vielleicht mit einem Doppelpunkt, nach dem nichts kommt . . . Der wäre allerdings ähnlich gemein wie ein Teaser für das WM-Finale mit anschließendem Stromausfall. Er weckt Erwartungen und endet im Nichts. Reichlich unbefriedigend, das . . . Aber damit müssen Sie jetzt leben:

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 29.02.2016)

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Über Erich Kocina
Erich Kocina, Redakteur der Tageszeitung "Die Presse"

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