Leute, die am Ende eines Satzes „Punkt“ sagen

Der ausgesprochene Punkt nach einer Aussage ist das weltliche „Roma locuta, causa finita“.

Punktuell nerven Menschen, die einen Punkt machen. Wenn es denn wenigstens ein guter Punkt wäre, doch manche setzen ihn allzu gern als gesprochenes Stilmittel ein, um eine Aussage apodiktisch wirken zu lassen. Die Erde ist eine Scheibe, Punkt. Am liebsten würde man da ein Rufzeichen hervorziehen, um den Punkt damit zu erschlagen. Apropos, wie macht man eigentlich ein Rufzeichen richtig? Punkt vor Strich, wie man es in der Mathematik gelernt hat? (Ja, der war schlecht. Punkt.) Aber zurück zum gesprochenen Punkt am Satzende. Er suggeriert, dass damit das Ende der Debatte erreicht ist, er ist das weltliche „Roma locuta, causa finita“. Nur, dass er nicht ganz so arrogant wirkt wie ein gebieterisches „Basta“, sondern seinen harten Inhalt hinter einer sanften Maske verbirgt. Denn ein Satzzeichen an sich kann ja nichts Böses sein, nicht?

Interessant ist, dass der Punkt in der gesprochenen Sprache weitgehend konkurrenzlos ist. Kaum jemand würde einen Satz damit abschließen, lauthals „Rufzeichen!“ auszurufen. Und Leute, die das Fragezeichen am Ende einer Frage aussprechen, dürfen wohl auch zu Recht vermuten, dass sie einer ziemlichen Minderheit angehören. Von jenen, die mitten im Satz „Beistrich“ plärren, gar nicht zu reden. „Klammer auf“ und „Klammer zu“ hört man hingegen recht häufig, während Anführungszeichen eher in der nonverbalen Kommunikation eingesetzt werden – Sie wissen schon, das sind dann die Leute, die Zeige- und Mittelfinger beider Hände synchron beugen und strecken. Eine ziemlich überflüssige Geste, übrigens. Punkt.

Wer allerdings auch nur darüber nachdenkt, ausgesprochene Leerzeichen in einer Debatte als Stilmittel zu verwenden, sollte dringend einen Punkt machen. Solang er nicht am Ende des Satzes ausgesprochen wird. Klammer auf. Das geht nämlich gar nicht. Klammer zu.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 11.07.2016)

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Über Erich Kocina
Erich Kocina, Redakteur der Tageszeitung "Die Presse"

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