Krawatten für Studenten von A bis Z

Kulturstrick. Welche Rolle spielt das modische Accessoire an der Uni? Und kommt man damit besser voran?

Die Krawatte führt an Österreichs Unis eher ein Schattendasein. Zumindest unter den Studenten finden sich nur wenige, die mit dem Kulturstrick um den Hals die Hörsäle stürmen. Hat das modische Accessoire, das im Geschäftsleben, der Politik und bei feierlichen Anlässen zum Standard gehört, während des Studiums überhaupt einen Sinn? „Uni-Live“ hat dazu einige Studenten befragt und ein Glossar der wichtigsten Begriffe aufgestellt, die mit Krawatten zusammenhängen.

Anstecken. Wer beim Binden Schwierigkeiten mit dem Knoten hat, kann sich auch eine > Instant-Krawatte umhängen oder einen vorgebundenen Knoten an den Hemdkragen stecken. Auch eine Befestigung mit Gummizug ist möglich.

Binden. Eine eigene Wissenschaft für sich, die jedoch an der Uni selbst nicht unterrichtet wird. Fachliteratur oder das Internet (www.krawatte-binden.com) schaffen Abhilfe.

Che Guevara. Das Konterfei des Revolutionärs und Guerillaführers ist auf der Uni überproportional häufig auf T-Shirts zu sehen. Darüber eine Krawatte zu tragen gilt eher als Stilbruch. Er trug den obersten Knopf seines olivgrünen Hemdes ja auch offen.

Diplomprüfung. Bei dieser Ge legenheit kann ein gepflegtes Äußeres nie schaden und wird von Prüfern oft auch erwartet. Vorgeschrieben ist eine Krawatte allerdings nicht.

Ende. Das breitere Ende der Krawatte sollte etwas oberhalb des Gürtels enden, das schmale Ende etwa 2 cm kürzer als das breitere sein. Streng verboten: Die Spitze in die Hose stecken.

Fünfundachtzig Knoten-Theorie.

Nach den Physikern Thomas Fink und Yong Mao gibt es rechnerisch 85 Wege, eine Krawatte zu binden. Aber nur 13 davon sind ästhetisch, die restlichen sind zu wulstig oder zu asymmetrisch.

Die mathematische Gleichung:
K(h)=1/3 ( 2h-2 -(-1)h-2)

Geduld. Bei Anfängern vonnöten, vor allem, wenn es an kompliziertere Gebinde wie den Kreuzknoten geht. Nach mehreren erfolglosen Versuchen bieten sich > Instant-Krawatten oder > Oben ohne an.

Hemd. Wenn man keine Krawatte trägt gilt: Oberster Knopf offen. Wer sie unter Pullovern oder Pullundern versteckt, sollte darauf achten, dass der Kragen gleichmäßig hervorlugt.

Instant-Krawatte. Wird meist vom > Vater gebunden. Bei Bedarf über den Kopf stülpen und Knoten zuziehen. Nach häufiger Verwendung allerdings etwas unansehnlich und zerknittert.

Juristen. Sollten sich schon im Rahmen ihres Studiums das Binden von Krawatten aneignen. Als Anwalt oder Richter gehört die Schlinge um den Hals immer noch zum guten Ton.

Kollar. Der weiße Kragen, der von Priestern getragen wird. In diesem Fall ist die Krawatte nicht angebracht. Fristet an der Uni so wie die Krawatte eher ein Schattendasein.

Lederkrawatten. In den 80ern wurden sie gerne zu roten Seidenhemden getragen. Heute nur noch für Retro-Parties oder Unverbesserliche geeignet.

Mascherl. An der Uni noch mehr aus der Mode als Krawatten. Wird vornehmlich beim Opernball oder anderen ballähnlichen Festivitäten getragen.

New Economy. Mit Einsetzen des Internet-Hypes schossen Mitte der 90er zahllose Unternehmen aus dem Boden, die von Computerfreaks betrieben wurden. Mit deren gelockertem Dresscode wurde > Oben ohne auch im Geschäftsleben salonfähig.

Oben ohne. Kann das Fehlen eines Bikini-Oberteils bei Frauen oder einer Kopfbedeckung bezeichnen. Wird auch für Menschen ohne Krawatte verwendet.

Phallus-Symbol. Im Lexikon der Erotik wird die Krawatte als Symbol für den Penis gesehen. In der Traumdeutung steht sie unter anderem als Symbol für Atemnot.

Qual. Betrifft besonders unge übte Binder, die dringend zu einem Termin müssen und nach einigen erfolglosen Versuchen, der Krawatte Herr zu werden, langsam die > Geduld wegschmeißen.

Reaktionär. Vor allem in den 60er Jahren galten Krawatten als äußerlich sichtbares Zeichen des Spießbürgertums. Heute tragen sie zeitweilig sogar Rockstars.

Suppe. In der Mensa sollten Krawattenträger das Stück lässig um die Schulter schwingen oder auch ganz abnehmen. Dann bleibt es schön trocken.

Tie. Vorsicht bei englischspra chigen Einladungen. Mit „white tie“ ist nicht die Farbe der Krawatte gemeint, sondern ein Frack. Bei „black tie“ wird der Dresscode Smoking ausgegeben.

Universitätskrawatten. Ja, es gibt sie. Aber wer trägt freiwillig ein Accessoire mit Logo und Namen seiner Uni drauf – außer vielleicht Austauschstudenten.

Vater. Üblicherweise jene Instanz, bei der man sich den ersten Krawattenknoten abschaut. Fertigt bei Bedarf auch > Instant-Krawatten an.

Weihnachtsgeschenk. Vor allem bei Schwiegereltern beliebt. Verschwindet häufig ungebraucht im Schrank und bekommt im Jahr darauf Gesellschaft.

X-Chromosom. Auch (jüngere) Frauen verwenden in jüngster Zeit vermehrt Krawatten. Dabei wird das Accessoire zumeist über einem T-Shirt getragen und der Knoten nicht ganz zugezogen.

Yoga. Eignet sich hervorragend, um sich so weit zu entspannen, dass man die verlorene > Geduld wieder erlangt und einen neuen Versuch starten kann.

Zahn der Zeit. Breite und psychedelisch kolorierte Gebetsteppiche um den Hals waren in den 70ern einmal modern. Heute so out wie > Lederkrawatten.

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 30.01.2006)

Ob Phallus-Symbol oder Accessoire, an der Uni sind Krawatten selten | (c) Clemens Fabry (Die Presse)

Advertisements

Über Erich Kocina
Erich Kocina, Redakteur der Tageszeitung "Die Presse"

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: