Kampf den Rosinen

Niemand mag Rosinen. Verständlich. Da haben Sie einen wunderbaren Kuchen, der Teig zergeht flaumig zwischen Zunge und Gaumen, und dann auf einmal meldet sich vehement Freund Brechreiz zu Wort, wenn eine angefaulte Weinbeere glitschig zwischen die Backenzähne gerät. Muss das sein? Warum stecken immer noch bösartige Großmütter, Bäcker und sonstige Übeltäter diese widerlichen Dinger in beinahe jedes Gebäck? Ich bin ja wirklich nicht heikel. Von Heuschrecken bis Lammhoden habe ich alles probiert, würde sogar Hunde essen, wenn sie mein Stamm-Asiate im Sortiment hätte. Aber bei Rosinen, da hört sich der Spaß wirklich auf.

Bringen Sie das am Besten gleich Ihren Kindern bei, dass Gerichte durch Hinzufügen ekliger Runzelbällchen in keinster Weise einen qualitativen Höhenflug erleben. Vielleicht gleich bei „Kinder kochen“ im Nachbarschaftszentrum 6 (6, Bürgerspitalg. 4-6; 10 Uhr). Wie viele wunderbare Lebensmittel es gibt, die Sie nicht mit Rosinen kombinieren sollten, können Sie derweil am Spezialitätenmarkt am Margaretenplatz in Erfahrung bringen. Zum Ausklang empfehle ich einen Besuch des Kunsthistorischen Museums (1, Maria Theresien-Str.), wo im Kuppelsaal ab 18.30 Uhr „Kunst & Genuss“ auf dem Programm steht. Für 34 Euro kann aus dem exklusiven Buffet ausgewählt werden, Verdauungsspaziergang durch die Gemäldegalerien inklusive. Und wehe, ich muss dort auf eine Sultanine beißen. Denn ich bin es einfach Leid, ständig die Rosinen aus dem Kuchen picken zu müssen.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 20.07.2006)

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Über Erich Kocina
Erich Kocina, Redakteur der Tageszeitung "Die Presse"

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