Traumberuf Pornoautor

Pornos sind von ihrer Intention her tendenziell ja nicht darauf ausgelegt, im Rennen um den Literaturnobelpreis ganz vorne mitzureiten. Und doch entfalten die Dialoge, die den eigentlichen Höhepunkt in eine Rahmenhandlung einbetten, einen gewissen Charme – irgendwo zwischen Banalität, Langeweile und Hilflosigkeit. „Guten Tag, ich bringe die Pizza“, sagt etwa der Pizzabote zur Dame, die im Spitzennachthemd die Tür öffnet. Die unschuldige Frage „Und wo ist die Salami?“ leitet dann zum Hauptgang über. Dass sich Dialogschreiber bei manchem Film nicht einmal mehr dieses Quentchen versuchten Wortwitzes antun, zeigt folgendes Beispiel: „Warum liegt denn hier Stroh?“ fragt der Mann, der den Stromkasten inspizieren soll. „Warum hast du ’ne Maske auf?“, ist die Antwort der Dame im Negligé. Die absolut sehenswerte Fortsetzung findet sich unter: http://users.skynet.be/osmo/uNF/blas.swf.

Dass man sich mit dem Thema auch auf freiwillig amüsante Weise auseinander setzen kann, zeigt unter anderem Michael Glawoggers Film „Nacktschnecken“ (2004), in dem sich ehemalige Studenten aus Geldmangel selbst an einem Pornofilm versuchen. Sehenswert ist auch „Boogie Nights“ (1997), in dem die Pornoszene der 70er und 80er porträtiert wird. Nun, für einen Tag würde ich ja auch gerne einmal in den Traumberuf eines Pornoautors hineinschnuppern. Wer weiß, vielleicht könnte ich dann ja sogar folgenden Dialog unterbringen: „Rauchst du eigentlich nach dem Sex?“ „Weiß nicht, hab‘ noch nie nachgeschaut.“

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 21.11.2006)

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Über Erich Kocina
Erich Kocina, Redakteur der Tageszeitung "Die Presse"

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