Du sollst nicht „lecker“ sagen

Österreich hat den Vorteil, einen großen Nachbarn zu haben, der die gleiche Sprache spricht. Erst die Größe des deutschen Marktes macht es sinnvoll, Werke aus anderen Sprachen – Bücher, Filme und Konsorten – ins Deutsche übersetzen zu lassen. Die Größe des Nachbarn ist aber gleichzeitig auch ein Nachteil. Abgesehen davon, dass etwa Holländer oder Finnen leichter Englisch lernen, weil sie im Kino und TV Originalversionen sehen, gibt es noch einen Haken: Begriffe aus dem Deutschen schwemmen auf der Welle von Quizshows, Serien und Synchronsprechern in unsere Wohnzimmer und nisten sich in unserem Sprachgebrauch ein.

In Werbespots wird längst von „Pickeln“ gesprochen, in TV-Serien ein „Hühnchen“ gegessen. Mittlerweile hört man auch schon von Österreichern, dass etwas „lecker“ sei. All jenen, die noch etwas Sprachgefühl haben, rollt es spätestens dabei die Zehennägel auf. So auch Robert Sedlaczek, der im „Kleinen Handbuch der bedrohten Wörter Österreichs“ einige Begriffe aufdeckt, die wir vor ein paar Jahren nicht zu sagen wagten. „Sahne“ statt Obers, „Rührei“ statt Eierspeis oder „Junge“ statt Bub treiben ihm, so wie hoffentlich auch Ihnen, die Grausbirnen auf die Stirn. Also, retten wir noch ein paar Reste unserer Sprache, lassen wir uns nicht gleichschalten. Und wenn Sie das nächste Mal eine Packung Manner-Schnitten aufmachen und ein Stück der mit Haselnusscreme gefüllten Bäckerei zum Mund führen: Sagen Sie niemals „Waffel“ zu ihr. Von „lecker“ ganz zu schweigen. . .

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 22.10.2007)

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Über Erich Kocina
Erich Kocina, Redakteur der Tageszeitung "Die Presse"

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