Fortsetzungen, die es leider nicht gibt

Ein bisschen vorhersehbar war sie dann doch, die vierte Auflage von Rambo. Wieder musste Sylvester Stallone feststellen, dass es ohne Gewalt auf dieser Welt nicht weitergeht. Das hätte man spannender machen können. Etwa mit einem John Rambo, der in Arkansas als Gebrauchtwagenhändler arbeitet und sein Kriegs-Trauma regelmäßig bei einem Psychotherapeuten aufarbeitet. Ein Patienten-Drama, in dem ein junger Seelendoktor in langen Gesprächen mit dem Vietnam-Veteranen alternative Wege der Konfliktlösung erörtert. Und am Ende steht ein Filmheld, der erkannt hat: „Gewalt ist die Intelligenz der Dummen“ und diese Maxime auch lebt. Letzte Einstellung: Rambo streichelt seinen Dackel und wendet sich dann wieder dem Rasenmähen vor seinem Einfamilienhaus in einem kleinen Vorort von Little Rock zu. Zugegeben, das Kinopublikum in der Lugner-City wäre darob wohl etwas verwirrt. Die Chancen auf einen Oscar für Sylvester Stallone würden sich vermutlich auch nicht wirklich erhöhen – immerhin, sein schauspielerisches Repertoire von zwei Gesichtszügen würde der Lebensbeichte auf der Couch wenigstens einen komödiantischen Touch geben.

Zwischen den Sitzungen mit dem Psychotherapeuten begleiten wir Rambo im Alltag, sehen ihn im Supermarkt, wo er Brot, Milch und Eier besorgt. Erleben mit, wie er einen Strafzettel bezahlt, nachdem er zu lange in der Kurzparkzone gehalten hat. Und leiden mit dem Helden, wenn er zum Zahnarzt auf eine Wurzelbehandlung geht. Spätestens dann könnte der Regisseur dieses Films Humor beweisen, etwa mit einer Anspielung auf frühere Teile. Wenn dann Rambo mit geschwollener Backe den Dentisten fragt, ob er sich etwa für Gott hält. „Nein“, antwortet der Mann im weißen Kittel, „Gott kennt Gnade. Ich nicht.“

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 03.03.2008)

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Über Erich Kocina
Erich Kocina, Redakteur der Tageszeitung "Die Presse"

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