Die Hände hinter dem Rücken verschränken

Der Kampf gegen eine Körperhaltung, die vor allem älteren Männern zugeschrieben wird.

Peinlich berührt. Hat man sich wirklich gerade selbst dabei ertappt, wie man beim Gehen die Hände hinter dem Rücken verschränkt hat? Ganz genau, das ist jene Körperhaltung, die vor allem älteren Männern zugeschrieben wird. Die tritt, so sagt man, zum selben Zeitpunkt ein, zu dem man hellbraune Mäntel zu tragen beginnt. Und einen Hut, den man freundlich lupft, wenn man auf der Straße jemandem begegnet. Kurzum, es ist eine Verhaltensweise, für die man sich bis zu einem bestimmten Alter zu jung fühlt. Wie kommt es überhaupt dazu? Vielleicht, weil dadurch die Wirbelsäule entlastet wird, man nicht so nach vorn gebückt steht? Oder weil man die Hände aus welchen Gründen auch immer nicht in die Hosentaschen stecken möchte, sie aber nicht einfach herunterbaumeln sollen? Hat man ja früher gelernt, dass Hände im Hosensack (sagt das heute eigentlich noch jemand?) unfein sind, so wie das Lümmeln mit den Ellbogen auf dem Tisch. Ups, und schon wieder hat man gedankenverloren die Arme hinter dem Rücken.

Ein bisschen schummeln geht natürlich. An der roten Ampel, zum Beispiel. Da wird dann gleichzeitig der Rücken durchgestreckt, die Beine stehen etwas weiter als schulterbreit, und der Blick wandert starr geradeaus, bis man wirkt wie ein Soldat aus einem amerikanischen B-Movie. Doch sobald die grünen Ampelmännchen aufleuchten, fliegt der Betrug auf, wirkt die Körperhaltung nicht wie bei Jean-Claude Van Damme in den 1980ern, sondern wie bei einem durchschnittlich unsportlichen Menschen in seinen 80ern. Gerade, dass im Hintergrund nicht STS dreistimmig zu „Großvater“ ansetzen.

In diversen Körpersprache-Ratgebern ist auch die Rede davon, dass die Hände hinter dem Rücken zeigen, dass man etwas zu verbergen hat. Gute Idee, eigentlich. Nur wie verbirgt man damit, dass man gelegentlich unbewusst die Hände hinter dem Rücken verschränkt?

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 04.01.2016)

Der Bewegungsmelder am Ort, wo die Sonne nie scheint

(c) Erich Kocina

Der demütigende Moment, wenn das Licht gerade in einer sehr angespannten Situation ausgeht.

„Stell dir vor, es geht das Licht aus“, sang Paul Hörbiger in „Hallo Dienstmann“. Eine romantische Situation würde daraus erwachsen, schwang sublim mit, und ließ in den Köpfen der Zuhörer das entsprechende Bild entstehen. Dumm nur, dass das Licht oft in ganz anderen Situationen ausgeht, die mit Kuscheln und Zweisamkeit nur bedingt zu tun haben. In Toiletten von Lokalen zum Beispiel, deren Betreiber Bewegungsmelder installiert haben. Und plötzlich, stell dir vor, geht das Licht aus. Es gehört zu den entwürdigendsten Ritualen, es dann wieder in Gang zu bringen. Da wird mit den Händen gewachelt, Arme in alle möglichen Positionen gebracht, vielleicht erhebt man sich sogar ein bisschen. „Es werde Licht“, möchte man herausbrüllen, doch der Bewegungsmelder hört dich nicht schreien.

Es sind die gleichen bösartigen Apparaturen, die auch in Händetrocknern eingebaut werden. Die feuchten Finger führen wahre Balzrituale auf, um das Gerät zur Herausgabe warmer Luft zu stimulieren. Bläst es dann endlich aus dem Teufelswerk, wagt man die Hände ein wenig in eine andere Position zu bringen, und schon versiegt das Lüftchen auch schon wieder. Vermutlich sitzt irgendwo hinter dem Spiegel ein eigens engagierter Mitarbeiter, der das Gerät händisch steuert und eine höllische Freude daran hat, die Besucher mit dem scheinbaren Bewegungsmelder zu foppen.

Ein kleiner Moment der Demütigung ist es aber auch, wenn man auf einer fancy Flughafentoilette die feuchten Finger unter das violett leuchtende Zeichen mit zwei Händen hält – und nichts passiert. Schon möchte man das Bewegungsmelderlamento anstimmen, als der freundliche Herr mit dem Wischmopp darauf hinweist, dass das kein Föhn ist, sondern ein – sehr hübsch beleuchtetes – Fach zur Entnahme von Handtüchern. Könnte dann schnell das Licht ausgehen, bitte?

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 28.12.2015)

Als ich viel zu jung im Kino die Jedi-Ritter sehen durfte

Peter Rosegger hat „Star Wars“ nicht gesehen. Sonst hätte er wohl eine Geschichte darüber geschrieben.

Als ich noch der Waldbauernbub war . . . zugegeben, diese Einleitung nimmt man jemandem, der in Simmering aufgewachsen ist, nicht ab. Macht aber nichts, ist ja auch nur als Überleitung gedacht. Von Peter Rosegger nämlich, der viele seiner Jugenderinnerungen mit jenem „als ich“ begann. Und in diesen Geschichten, wenn die Erinnerung nicht trügt, als Waldbauernbub vornehmlich durch Schnee stapfte. Von dort aus soll nun die Kurve gekratzt werden zu einem Erlebnis, das ebenfalls mit einem „als ich“ eingeleitet werden könnte. Und das irgendwann im Winter 1983 stattgefunden haben muss. Da war im „Bravo“-Heft der Schwester von einem neuen Film zu lesen. Vom dritten Teil der „Star Wars“-Saga nämlich, der gerade ins Kino gekommen war. Klar, dass da die Augen zu leuchten begannen, man Luke Skywalker, Darth Vader und all die anderen Gestalten im Kino sehen wollte.

Nur: „Ab 12“ stand im Kinoprogramm. Für einen gerade neun Jahre alt gewordenen Fan ein schier unüberwindbares Hindernis. Riesig war dann auch die Enttäuschung, als die Eltern im Kino fragten, ob man da denn nichts machen könnte. (Was hätte die Ticketverkäuferin auch anderes sagen sollen als nein?) Doch es sollte, das sei vorweggenommen, noch anders kommen. Beim zweiten Versuch wurde einfach nicht gefragt. Die Eltern kauften die Tickets, holten die Kinder von daheim ab. Und auf einmal saß man im Gartenbaukino. Verfolgte mit offenem Mund Raumschlachten, Lichtschwertduelle, die seltsamsten Kreaturen – und war am nächsten Tag in der Volksschule der große Held, der all den Mitschülern davon erzählen konnte.

Hätte Peter Rosegger das erlebt, hätte er daraus vermutlich eine Geschichte gemacht. Wir behalten diese kleine Episode elterlichen Ungehorsams zum Wohle der Kinder aber einfach für uns, ja? In diesem Sinne, frohe Weihnachten. Und möge die Macht mit euch sein!

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 21.12.2015)

return-of-the-jedi

Lasst uns über das s im Adventkalender streiten

Gefangen in der alljährlichen Endlosschleife der Dialoge rund um Weihnachten.

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche. Was im Fall des Weihnachtsbaums mittlerweile gar nicht mehr so einfach ist, schließlich haben schon viele Haushalte auf elektrische Kerzen umgestellt. Die Tradition des Christbaumbrandes wurde dadurch weitgehend verdrängt, der Aufschrei der Kulturbewahrer blieb jedoch aus. Macht ja nichts, es gibt schließlich noch viele andere Traditionen, die es zu bewahren gilt. Etwa die alljährliche Debatte, ob es nun Adventkalender oder Adventskalender heißt. Die wird zwar auch heuer nicht endgültig zu Ende, aber mit Sicherheit in der gleichen Intensität weitergeführt wie vergangenes Jahr, inklusive der Feststellung, dass es keine endgültige Lösung dafür gibt. Damit bleibt auch eine argumentatorische Hintertür dafür offen, die gleiche Debatte von null an erneut anzufachen. Am besten direkt vor dem Weihnachtbaum, von dem man sich das Fugen-s für die Diskussion ausgeborgt hat. Und das man sogar bis in die Osterzeit retten kann, wo sich alles um die Frage Schafkäse oder Schafskäse dreht.

Hat man sich in der Causa Adventkalender zum vorläufig finalen Let’s-agree-to-disagree durchgerungen, bleibt als Thema noch die Aufarbeitung der Verwandtschaftsverhältnisse. Und der jährlich wiederkehrenden Debatte, ob denn nun die Töchter der Cousinen zueinander Großcousinen oder Cousinen zweiten Grades sind. Die, ganz unabhängig von der vorjährlichen Erörterung, erneut von null an gestartet wird. Und schließlich die alljährliche Debatte mit den Besuchern nach Weihnachten, ob denn nun Fisch, Fondue oder kalte Platte das einzig wahre Weihnachtsessen ist. Da könnte man doch gleich auch hitzig darüber streiten, wer der beste James Bond ist. L’art pour l’art, oder eher Palaver pour Palaver. Und apropos, die Redewendung „den Christbaum anzünden“ bitte mit Vorsicht anzuwenden.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 14.12.2015)

Daisy Ridley: „Star Wars‘ ist einfach überall“

(c) Walt Disney

Daisy Ridley als Rey in „Star Wars“ | (c) Walt Disney

Als Daisy Ridley zur Welt kam, gab es schon drei Teile von „Star Wars“. In Episode VII, die im Dezember ins Kino kommt, hat sie nun eine Hauptrolle. Als Kind war sie gar kein großer Fan der Weltraumsaga.

Es ist nicht einfach nur ein Film. Es ist ein ganzes Universum, in das Daisy Ridley nun eintaucht. „Das Erwachen der Macht“ ist der siebte Teil der „Star Wars“-Reihe, die 1977 begonnen hat. Die Popularität der Filme spielt sich auch abseits der Kinoleinwand ab – als riesiges Merchandising-Unternehmen mit Computerspielen, Puppen und vielem weiteren Zubehör – und teilweise absolut fanatischen Fans.

Wie fühlt es sich an, Teil eines der größten Franchise-Produkte aller Zeiten zu sein?

Daisy Ridley: Es fühlt sich sehr gut an.

Wann sind Sie das erste Mal mit dem „Star Wars“-Universum in Berührung gekommen?

Ich erinnere mich, dass ich als Kind im Kino war, es muss Episode III gewesen sein. Aber es ist in mein Unterbewusstsein geflossen. „Star Wars“ ist Popkultur, es ist einfach überall.

Mögen Sie die alten Episoden von 1977 bis 1983 oder jene von 1999 bis 2005 lieber?

So ziemlich jeder mag die originale Trilogie lieber. Ich glaube, das ist bei allen Dingen so, dass man die Originale lieber mag. Aber ich mochte sie beide auf ihre Weise – und ich glaube, dass die Prequels ziemlich hart angefasst wurden, was ein bisschen unfair war.

Wie kamen Sie zum Casting für den Film?

Sie haben jemanden in etwa meinem Alter und mit athletischem Aussehen gesucht. Also ging ich zur Audition. Ich hatte fünf Termine innerhalb von sieben Monaten. Zunächst war es nichts vom Skript, nur bei der letzten Audition war es eine Szene aus dem Film. Ein paar Tage später hat mich Regisseur J. J. Abrams angerufen und zugesagt.

Hat Sie das auch geschreckt?

Natürlich. Ich habe noch nie so etwas gemacht, erstens eine Hauptrolle und zweitens Dreharbeiten, die länger als drei Wochen dauern. Und ich musste drei Monate trainieren, noch bevor die Dreharbeiten begonnen haben. Ich hatte all die Gefühle, die man so hat, wenn man einen neuen Job antritt. Und dann noch bei etwas so Großem mitmachen – ich hatte keine Ahnung, wie sehr ich geliebt werde, bis ich zur ersten Convention kam.

Was haben Sie vorher über das „Star Wars“-Universum und seine Fans gewusst?

Nicht viel. Ich habe die Filme gesehen, aber ich war nie ein Megafan. Auch meine Familie nicht. Es gab da diese Sendung „Meet the Superfans“, mit Tom Felton, der in „Harry Potter“ DracoMalfoy gespielt hat. Das war interessant, denn ich habe vorher noch nie gesehen, dass sich jemand so mit Menschen beschäftigt, die so intensiv Fans von etwas sind. Aber sogar mit meinem rudimentären Wissen weiß ich: Da ist so viel da draußen. So viel Wissen, so viel Information, die Menschen finden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Menschen Jobs haben und daneben derart große Fans von etwas sind.

Haben Sie vor den Dreharbeiten das komplette Skript bekommen?

Ja, ich habe es gelesen, als ich die Rolle bekommen habe. Aber es hat sich im Lauf des Drehs viel geändert. Und die Geschichte hat sich wirklich verändert. Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern, aber ich freue mich wirklich, den fertigen Film zu sehen.

Wie war es für Sie, an der Seite von Legenden wie Harrison Ford, Carrie Fisher, Chewbacca und anderen zu spielen.

Carrie Fisher war jünger, als ich es jetzt bin, als sie in den 1970ern Prinzessin Leia wurde. Und selbst ich habe mich in diesem ganzen Spiel wie ein Kind gefühlt. Die alte Garde hatte nicht das Gefühl, dass sie uns groß Tipps geben müssen, außer dass sie für uns da sind.

Sind Sie mit dem großen Speeder, der im Trailer zu sehen ist, selbst gefahren? Hatten Sie Unterricht?

Ja, das Ding bewegt sich wirklich – auf Rädern, die dann wegretuschiert werden. Also habe ich das Gefährt auf einem Kurs getestet. Man sitzt ziemlich hoch dort oben.

Welches Training haben Sie für den Film machen müssen?

Ich habe Krafttraining gemacht. Denn ich habe, obwohl ich athletisch aussehe, vorher noch nie trainiert.

Aber Sport haben Sie schon gemacht?

Auch nicht. Ich habe nie in meinem Leben Sport gemacht. Ich schaue aus wie eine Schwimmerin, weil ich breite Schultern habe. In meinem Lebenslauf habe ich deswegen angegeben, dass ich Schwimmer spielen kann, aber ich kann gerade einmal ein bisschen Kraulen und Brustschwimmen. In meiner Schule gab es keinen Sport, weil es viele Tänzerinnen gab – sie durften sich nicht verletzen. Also musste ich erst einmal Muskeln aufbauen. Und das ist nicht einfach, weil man viel essen muss. Ich esse gern, aber wenn man so viel essen muss, macht das keinen Spaß.

Hat sich Ihr Leben durch die Rolle in „Star Wars“ schon verändert?

Nur insofern, als ich tolle Menschen kennengelernt habe, mit unglaublich talentierten Menschen gearbeitet habe – nicht nur Schauspieler, auch Kameraleute, Soundtechniker usw. Und ich bin vor 7000 Leuten auf einer Bühne gestanden, das habe ich vorher definitiv noch nicht erlebt. Aber die Leute auf der Straße erkennen mich noch nicht. Ich kann also ganz normal Bus fahren.

Das könnte sich ändern.

Möglich. Ich habe mich darauf noch nicht vorbereitet. Vielleicht sollte ich mir einen großen Hut und Sonnenbrillen kaufen.

Haben Sie schon viele Folgeangebote für andere Filme bekommen?

Nein. Ich habe bei einem Film von Studio Ghibli in Japan eine Rolle synchronisiert. Das wollte ich unbedingt machen – und tatsächlich gab es einen, den sie noch nicht synchronisiert hatten. Das hat sich für mich wie Schicksal angefühlt. Und im Frühjahr 2016 fangen wir ja schon mit Episode VIII an. Wenn er einmal draußen ist, wollen hoffentlich mehr Leute mit mir zusammenarbeiten. Die Menschen wissen noch nicht, was ich kann. Und ich hoffe, dass ich nicht schlecht bin. Aber natürlich müssen sie vorsichtig sein.

Hatten Sie schon jemals Kontakt zu George Lucas, der das „Star Wars“-Universum geschaffen hat?

Ich habe ihn noch nicht getroffen. Aber das kommt sicher noch.

Viele Details aus dem Film werden ja noch im Dunkeln gehalten. Was dürfen Sie über Ihre Rolle, Rey, verraten?

Was ich sagen kann, ist, dass sie völlig autark auf dem Planeten Jakku lebt. Sie ist eine Plündererin. Sie trifft die andere Hauptrolle, Finn, und findet sich plötzlich mitten in einem Abenteuer wieder. Und sie macht ihren Weg.

Haben Sie schon Theorien gelesen, in denen über Ihre Rolle spekuliert wird?

Ja. Meist geht es darum, wessen Tochter ich im Film bin. Es gibt viel Spekulation über den Bösewicht Kylo Ren. Und sehr viel über Familienverhältnisse der Rollen zueinander. Ich wünschte, ich könnte das Gesicht aller Menschen sehen, wenn das im Film aufgelöst wird. Es gibt viele Spekulationen, aber der Film spielt 30 Jahre nach der „Rückkehr der Jedi-Ritter“. Also gibt es unglaublich viele Möglichkeiten. Ich hoffe, dass bis zum Schluss die Aufregung bleibt, bis man den Film sieht. Ich hoffe, das funktioniert und die Menschen werden schreien: „Neeeiiin!“

Wird es eine Überraschung geben, wie damals, als Darth Vader Luke gesagt hat, dass er sein Vater sei?

Kann gut sein. Mark Hamill, der Darsteller von Luke, sagte mir, dass George Lucas anfangs auch nicht gewusst hatte, dass Luke und Leia Geschwister waren, als sie sich geküsst hatten. Das hat er erst in den nächsten Teil geschrieben. Und viele glaubten am Ende von „Das Imperium schlägt zurück“ auch, dass das mit Darth Vader eine Lüge war.

Wissen Sie schon, was in Episode VIII passieren wird?

Vielleicht . . .

 

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 06.12.2015)

Die Unfähigkeit, zu Geld einfach Geld zu sagen

Die krampfhafte Suche nach Synonymen, um nur ja nicht Geld beim Namen nennen zu müssen.

Warum muss Geld eigentlich lieb sein? Gerade dann, wenn es in einem seufzenden Ton der Resignation genannt wird – und das wird es oft –, ist dieser Ausdruck von Zuneigung so überhaupt nicht angebracht. Aber über Geld spricht man nicht, heißt es. Und wenn schon, vermeidet man tunlichst, es bei seinem nüchternen Namen zu nennen. Dabei erinnert die Unfähigkeit, zu Geld einfach Geld zu sagen, an die peinliche Beklommenheit, mit der krampfhaft nach Synonymen gesucht wird, um nicht ein Geschlechtsteil mit seinem Namen aussprechen zu müssen. Es ist das „He, who must not be named“, mit dem in Harry Potters Welt der böse Voldemort bezeichnet wird.

Und so spricht man dann vom Zaster, abgeleitet von „sáster“, dem Wort für Eisen im Romanes. Oder bemüht das Moos, das vom Hebräischen „ma’oth“ kommt, was so viel wie Kleingeld bedeutet – und ohne das (Achtung, Phrasenschwein) nix los ist. Gern wird auch von Schotter gesprochen, der wiederum auf ein Missverständnis zurückzuführen ist – nämlich vom Kies, der in diesem Zusammenhang nichts mit Steinen zu tun hat, sondern vom Hebräischen „kis“ (Beutel) abgeleitet wurde. Dann wäre da noch der Mammon, vermutlich vom aramäischen Wort „mamona“, das für Besitz steht – und gern mit dem schönen Adjektiv „schnöde“ versehen wird, um eine verächtliche Note ins Spiel zu bringen. Nicht zu vergessen das Wort Pinkepinke, das auf „pinka“, hebräisch für Geldbeutel, zurückgehen dürfte.

Doch trotz dieser Vielfalt gibt es immer noch Menschen, denen die Worte fehlen. Sie reiben dann den Daumen an Zeige- und Mittelfingerspitzen. Und setzen dabei einen verschwörerischen Blick auf – wir wissen, was hier gespielt wird. Die Kröten sind in Wirklichkeit Mäuse, die alle Marie heißen. Aber Marie wird nur selten als lieb bezeichnet. Die Arme.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 07.12.2015)

„Es war mal was anderes“ ist die ultimative Vernichtung

Ein Versuch über das Bemühen, die an einen gestellten Anforderungen zu erfüllen.

Die Wahrheit ist eine Tochter der Redewendung. Und die verbale Kindesweglegung ist eine Disziplin, in der es schon Teenager zu Meisterleistungen bringen. „Ich mag dich total gerne“, wird dann dem vor Herzklopfen bebenden Gegenüber entgegengehaucht. Und mit dem nachfolgenden „als Kumpel“ das Klopfen zu einem sofortigen Stillstand gebracht. Die so höflich verpackte Wahrheit, dass das Miteinander definitiv nichts wird, auch noch in scheinbares Kompliment zu kleiden, ist so etwas wie die Urmutter der Enttäuschung, die ihre Kinder im Laufe eines Lebens immer wieder zu Besuch vorbeischickt. „Es liegt nicht an dir“, „du hast etwas Besseres als mich verdient“ oder „ich brauche einfach eine Pause“ sind längst zu Realität gewordene Popkultur. Phrasen, die den schnellen Stich ins Herz durch langsames Herauslöffeln ersetzen. Aber nein, es ist nicht so, wie Sie denken!

Bei einer Einladung zum Essen verbirgt sich die Kritik des Gastes hinter einem „schmeckt interessant“, dem überraschten „so kenn ich’s gar nicht“ und landet am Ende beim Resümee „es war mal was anderes“. Nicht zu verwechseln mit dem „es war einmal“, wie es in Märchen häufig am Beginn steht, ist diese Phrase die ultimative Vernichtung, die jegliche schüchterne Ambition auf eine für den Winter geeignete Kopfbedeckung für den Koch (ließe sich eine Haube eigentlich auch als bauliche Maßnahme zum Schutz des Hauptes beschreiben?) zunichte macht. Es ist wie ein „hat sich bemüht, die an ihn gestellten Anforderungen zu erfüllen“ im Dienstzeugnis. Ein „war ganz nett“ nach einem gemeinsam verbrachten Abend. Ein „vielleicht beim nächsten Mal“, mit dem eine abschlägige Mail garniert wird.

Ja, dann. Vielen Dank fürs Zuhören und vielleicht beim nächsten Mal. Ich brauche jetzt einfach eine Pause. Aber dass eines klar ist – es liegt nicht an Ihnen.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 02.11.2015)

Mike Krüger: „Plan B war oft in meinem Leben“

Mit »Mein Gott, Walther« und dem »Nippel« wurde er als Blödelbarde berühmt, später machte er Karriere als Moderator, erlebte die Goldgräberzeit im deutschen Privatfernsehen und feierte Erfolge in seichten Kinofilmen. In seiner Autobiografie erzählt Mike Krüger aber auch über die ernsten Seiten seines Lebens – den frühen Tod der Mutter und die harte Zeit im Internat.

Finden Sie es anstrengend, immer lustig sein zu müssen?

Mike Krüger: Nein. Ich habe eine gewisse Grundlustigkeit in mir, da muss ich mich nicht dazu zwingen. Und in meinem Freundeskreis erwartet keiner, dass ich zusätzlich den Komiker gebe, nur weil ich einer bin.

In Ihrer Autobiografie gibt es auch dunkle Momente. Etwa den Tod Ihrer Mutter, den Sie aber nur ein wenig anreißen.

Bei einer Autobiografie gehört natürlich auch meine Kindheit dazu. Der Tod meiner Mutter, als ich drei war, hat mich sehr zurückgeworfen. Dann ist sie auch unter sehr mysteriösen Umständen ums Leben gekommen – was ich erst herausgefunden habe, als mein Vater gestorben ist. In seinen Unterlagen habe ich den Totenschein gefunden, in dem gestanden ist, dass meine Mutter in einem Hotelzimmer in Paris an Herzversagen gestorben ist.

Was hat Ihr Vater Ihnen vorher erzählt?

Was damals wirklich passiert ist, habe ich mit meinem Vater leider nie besprochen, denn als ich klein war, hat er das abgeblockt. Dann war ich lange im Internat. Und danach ging es ihm gesundheitlich nicht so gut, dass man noch ernsthafte Themen mit ihm besprechen hätte können.

Tut es Ihnen leid, dass Sie das nie aufgearbeitet haben?

Ich würde schon gerne Genaueres darüber wissen, aber es ist nicht so, dass es mich schwer belastet.

Und das Verhältnis zu Ihrem Vater war ein eher distanziertes?

Als ich noch zu Hause lebte mit ihm und seiner zweiten Frau, war er sehr viel unterwegs und hat gearbeitet. Im Internat war die Verbindung sowieso gekappt, und da entwickelt sich natürlich kein besonders enges Verhältnis.

Das Leben im Internat ist ja traurig, weil man von daheim weg ist, auf der anderen Seite ist es aber auch eine schöne Zeit.

Es gibt da eine strenge Hackordnung. Als Kleiner hat man das Problem, dass die Größeren das Sagen haben und das meist mit körperlicher Gewalt durchsetzen. Wenn man dachte, die Erzieher helfen einem, war man auch falsch gewickelt. Denn die waren eigentlich noch schlimmer. Zum Glück wurde ich schnell größer, und da ging es besser. Im Sommer haben wir die meiste Zeit am Strand verbracht. Dementsprechend schlecht waren die Noten, da haben wir dann in den kalten Wintermonaten versucht, das einigermaßen aufzuarbeiten. Die letzten Jahre im Internat waren dann schon schön.

War das Internat eine Erfahrung, die Sie nicht missen möchten?

Ich hätte gut drauf verzichten können, aber alles Negative hat auch Vorteile. Man lernt auch viel.

Hat Ihre Kindheit Ihren Humor geprägt?

Ja, denn da wird man entweder selbst aggressiv und gewalttätig, oder man ist einer wie ich, der alles eher ein bisschen ins Lächerliche zieht. Ich habe dann festgestellt, dass man durch Scherze über Lehrer die Klasse auf seine Seite bekommt, ohne mit Gewalt zu drohen. Das hat mich später bestätigt, als es mein Beruf wurde, dass ich offenbar eine Gabe habe, Menschen zum Lachen zu kriegen.

Was bedeutet der Untertitel Ihrer Autobiografie, „das Leben ist oft Plan B“?

Plan B war eben oft in meinem Leben. Meist, wenn ich nicht damit gerechnet habe, kam etwas um die Ecke. Und meist habe ich dann gesagt, ja, das mache ich. Manchmal auch einen Tick zu früh – bestes Beispiel diese Samstagabendshow „4 gegen Willi“. Als ersten Moderationsjob gleich eine Samstagabendshow zu machen war mutig.

Was hat bei „4 gegen Willi“ nicht funktioniert? Was war das Problem?

Da kam einiges zusammen. Ich hätte sicher auch besser sein können. Damals war ich total unerfahren, was Moderation anging. Und dann war das natürlich die Aufregersendung überhaupt – und die ist dann nach drei Jahren eingestellt worden. Wir hatten zwar tolle Quoten, aber der Bayerische Rundfunk wurde zugeschüttet mit aggressivsten Briefen, heute hätte es einen Shitstorm nach jeder Sendung gegeben. Und der damals neue Unterhaltungschef wollte das nicht jeden Sonntag haben.

Samstagabendshows gibt es ja heute gar nicht mehr. Tut das weh?

Das kann man ganz entspannt sehen. Die Medienlandschaft hat sich gewandelt, so eine Show kostet unglaublich viel Geld und die Sender gönnen sich das einfach nicht mehr. Irgendwann kann man zwei Millionen Euro für eine Sendung nicht mehr rechtfertigen, damit produzieren andere eine ganze Staffel einer Doku-Soap. Fernsehen wird viel billiger produziert, und die Leute machen sich ihr Programm selbst. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten haben das noch nicht begriffen. Ich habe einmal einen Bericht in der ARD gesehen, wo sie sagten, dass es Netflix gibt, da könne man Serien für wenig Geld schauen. Ich dachte, ich habe mich verhört. Das ist das, was euch in Zukunft Riesenprobleme machen wird.

Durch das Internet kann ja mittlerweile auch schon jeder ein Komiker sein.

Die Zuschauer haben natürlich eine Riesenauswahl, für die Komiker, die versuchen, davon zu leben, wird es aber immer schwieriger. Für fünf Millionen Klicks im Internet kann man sich halt nichts kaufen. Da ist es mir lieber, ich habe fünf Millionen LPs verkauft. Insofern ist es für die Protagonisten schwerer geworden, weil jeder mit den einfachsten Mitteln bekannt werden kann – aber aus dem Internet herauszukommen und damit Geld zu verdienen, das wird schwieriger.

Merken Sie es finanziell?

Ich bin ja zum Glück schon etwas länger dabei. Ich könnte jetzt Rente einreichen, was ich nicht tue. Aber ich habe das Glück zu sagen, ich mache, wozu ich Lust habe.

Wie hat sich der deutschsprachige Humor in den vergangenen Jahren verändert?

Früher war Comedy immer mit Gesang verbunden. Wir haben zusätzlich zu den Wortgags ein Instrument gespielt, was für mich persönlich auch abwechslungsreicher ist als eine reine Stand-up-Geschichte. Ich finde es immer sehr schön, wenn zwischendurch jemand singt. Lieder prägen sich natürlich besser ein als Wortgags. Man schafft es mit einem Lied wie dem „Nippel“, dass da ganz Deutschland mitsingt.

Nervt es Sie eigentlich, immer wieder den „Nippel“ singen zu müssen?

Gar nicht. Wenn man es geschafft hat, einen so großen Hit zu schreiben, den jeder kennt – da freue ich mich jedes Mal. Ich singe es natürlich im Konzert nicht mehr selbst, das macht dann das Publikum, und ich spiele nur Gitarre. Und wenn 2000 Leute geschlossen den „Nippel“ singen, ist das ein tolles Gefühl.

In Ihrem Buch geht es auch oft um Geld. Sprechen Sie gern darüber?

Man nennt natürlich keine Zahlen, vor allem nicht, wenn man aus Hamburg kommt. Aber wenn jemand so viele Schallplatten verkauft hat wie ich, 16 Jahre lang erfolgreich Werbung gemacht hat, und noch viele andere Sachen, kann man sich ausrechnen, dass ich nicht verarmt bin. Ich habe Geld im Buch deswegen erwähnt, weil ich immer in die Goldgräberzeiten gefallen bin. Als das Privatfernsehen losging in Deutschland, spielte Geld keine Rolle. Da haben Sender einfach gesagt, die Idee ist gut, macht mal. Heute wird gefragt, wie viel man davon am Tag produzieren kann. In dieser Zeit war ich dabei. So wie auch in der goldenen Schallplattenzeit, als noch Vinyl verkauft wurde. Und mit Thomas Gottschalk und mir ging die deutsche Kinocomedy los. Ich wollte also im Buch nur den Vergleich herstellen, dass es das heute nicht mehr gibt.

Sie haben als öffentliche Person ja auch eine gewisse Vorbildfunktion – wie passt es da, dass Sie beschreiben, wie Sie eine ganze Minibar ausgetrunken haben?

Vorbildwirkung soll es nicht sein, aber es war einfach so. Es war der Zeitgeist Ende der Siebziger, Anfang der Achtzigerjahre. In der Biografie von Eric Clapton steht, dass er Ende der Siebziger viele Konzerte im Liegen spielte – nicht, weil er das wollte, sondern weil er nicht anders konnte. Das ist aber niemandem aufgefallen, denn dem Publikum ging es ähnlich. Das hat sich geändert. Wenn man heute bei einer Redaktionssitzung sitzt, hat man schon Glück, wenn nicht ein Wassersommelier um die Ecke kommt. Ob das damals gut oder schlecht war, müssen die Leute beurteilen. Das ist alles eine Zeitgeschichte, und vieles hat sich gewandelt. Ich rauche nicht, achte auf meinen Körper, mache Fitness. Von daher lebe ich sehr gesund heute, aber es gab auch wilde Zeiten.


Herr Krüger, darf man Sie auch fragen, ob . . .

. . . ob Sie manchmal auch über Ihre eigenen Witze lachen?

Nein, das ist verboten. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn jemand einen Witz vorträgt und selbst darüber lacht.

. . . ob Sie manchmal an den Nippel denken, wenn Sie eine Tube nicht aufbekommen?

Das passiert häufiger. Meine Frau weigert sich, im Flugzeug die Kaffeesahne aufzumachen, und gibt sie mir. Dann kommt meist der Spruch von jemandem, der danebensitzt. Das zeigt, dass Lieder nichts bewirken, denn die Verschlüsse sind nach wie vor so bescheuert wie damals, als ich das Lied geschrieben habe.

. . . ob Sie wissen, was Petrus wohl sagt, wenn Sie wie die Protagonisten in „Mein Gott, Walther“ und dem „Nippel“ vor dem Himmelstor stehen?

Dann würde Petrus sich wahrscheinlich wie im Lied zu Jesus umdrehen und sagen: Das wurde aber auch Zeit.


 

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 01.11.2015)

Es ist ein Wahnsinn . . . So kann es nicht weitergehen

Für manche Sätze erntet man immer Kopfnicken, ohne sich wirklich etwas überlegen zu müssen.

So kann es wirklich nicht weitergehen. Dass man nämlich sein gesamtes argumentatives Unterfutter nur aus Phrasen zusammenstückelt, die doch nichts anders sind als zu scheinbaren Aphorismen aneinandergereihte Laute des Lamentierens. Es reicht, möchte man am liebsten ausrufen, würde man damit nicht nur noch weiter in den Chor der Beschwerer einstimmen, deren einzige Denkleistung aus dem lautstarken Beklagen des derzeitigen Zustands besteht. Da muss sich etwas ändern. Und schon wieder setzt der Kopf zum gewohnten Nicken an. Ja, so gut kann es gar nicht sein, dass das Rückenmark nicht sofort den Impuls aussendet, dass es schlecht sein und sich natürlich etwas ändern muss. Da wird man sich etwas überlegen müssen. Natürlich nicht, ohne vorher inhaltsscheinschwanger zu betonen, dass man sich den Sachverhalt ganz genau anschauen wird.

Die korrekte Antwort auf jede derartige Hiobsbotschaft lautet übrigens: „Es ist ein Wahnsinn.“ Wobei diese Worte ohnehin Allgemeingültigkeit haben, so wie ein „tja“ in jedem Gespräch als rhetorische Allzweckwaffe eingesetzt werden kann. Ob Zustimmung, Ablehnung, Verwunderung, Begeisterung oder auch einfach nur um dem Gegenüber zu signalisieren, dass man noch da ist – es ist ein Wahnsinn, in wie vielen Situationen es passt, etwas einen Wahnsinn sein zu lassen. Was dann auch schnell wieder zur Einsicht führt, dass es so nicht weitergehen kann, sich etwas ändern muss, man es sich aber vorher noch ganz genau anschauen wird. Einfach dahingesagt und eigentlich unwiderlegbar, so wie die weinselig angeheiterte Feststellung unter Freunden, dass man so jung nicht mehr zusammenkommen werde. Natürlich nicht, würde man am liebsten ausrufen, wenn die Begründung nicht auch schon im Restmüll des Floskelwahnsinns vor sich hin blubbern würde, wir werden ja alle nicht jünger. Es ist ein Wahnsinn.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 19.10.2015)

Man sieht nur mit den Augen gut

Antoine de Saint-Exupéry hat geirrt: Mit dem Herzen kann man nicht sehen. Riechen auch nicht.

Ein wenig verwundert hat er dann schon geschaut, der Kardiologe, als ich bei ihm einen Sehtest machen wollte. Antoine de Saint-Exupéry hat im „Kleinen Prinzen“ also geirrt, wie ich erfahren musste. Man sieht nur mit den Augen gut, das Herz ist dazu nicht geeignet. Ja, fein, wieder was gelernt. Ganz ähnlich verhält es sich übrigens auch mit den Ohren – sie sind geradezu dafür geschaffen, um Musik zu hören. Möglich, dass sie von dort auch den Weg ins Herz findet. Ab und zu allerdings biegt sie auf die Nerven ab, auf denen sie dann einen Spaziergang absolviert. Das kennen Sie sicher, dass es Nummern gibt, die man nicht aushält. „Papa was a Rolling Stone“ von den Temptations, zum Beispiel, wirkt bei mir wie der zu Noten gewordene Ausschaltimpuls. Oder „Mambo No. 5“ von Lou Bega. Den kann ich einfach nicht riechen, um ein weiteres Organ ins Spiel zu bringen. Interessant übrigens, dass die Nase im Wiener Wahlkampf kaum thematisiert wurde. Dabei spielt doch gerade das Riechorgan eine unglaublich große Rolle bei Gefühlen, heißt es. Und seien wir uns ehrlich, die Basis für die Position des Kreuzes auf dem Wahlzettel wird weniger im Kopf als im Bauch gelegt. Auch interessant, dass für den Sitz von Gefühlen gleich zwei Körperteile in Anspruch genommen werden, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben. Man riecht nur mit dem Bauch gut, das Wesentliche ist für die Nase unriechbar.

Apropos Nase. Dass die laufen kann, während Füße riechen können, ist auch so ein anatomischer Sonderfall à la Saint Exupéry. Eine Geschmacklosigkeit, der man am liebsten die Zunge zeigen würde. Wobei Geschmacklosigkeit eigentlich das falsche Wort ist – denn wenn etwas nach nichts schmeckt, ist das ja eher kein Problem. Schlimmer wäre, etwas hätte einen schlechten Geschmack. Habe ich aber nicht. Und jetzt drehen Sie bitte den „Mambo No. 5“ wieder ab. Bitte, danke.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 12.10.2015)